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Friedrich von Apfelwag, ›So der hedrich suosse wehset‹ (n14 1 2) DruckerTEI Icon

Überlieferung

n14 Apfl 1 2

Kommentar

Überlieferung: Die beiden Strophen sind nur in einem Abdruck in den ›Findungen aus altdeutschen Handschriften‹ erhalten, die Philipp Loge 1815 als Privatdruck verlegt hat (Exemplar: Archiv der Benediktinerabtei Tholey, o. Sig.). Loge teilt als Rubrik der Handschrift friderich von aphelwac mit, was ein sprechender Name (Parisurteil? evtl. ›Friedrich der den Apfel wac‹?) sein könnte, evtl. aber auch (mit systematisch fehlenden oder von Loge übersehenen Nasalstrichen? Vgl. die fehlenden Nasalstriche in I,2 und II,1) auf das heutige Ampflwang (im Hausruckviertel) hindeuten könnte, das seit 1169 urkundet. Nach den Strophen gesetztes et c. lässt vermuten, dass eine dritte Strophe (und weiteres?) fehlt. Ob dieser mutmaßliche Verlust auf einen Defekt der Überlieferung, ihrer Vorlage oder auf eine unvollständige Textübernahme in den ›Findungen‹ hindeutet, kann nicht geklärt werden. Weitere Angaben zur Kontextualisierung oder Überlieferung der Strophen bleibt Loge schuldig. Da Friedrich von A(m)pf(e)lwa(n)g sonst nicht bezeugt ist, ist eine Fälschung des 19. Jahrhunderts nicht ganz auszuschließen. Die zahlreichen formalen und inhaltlichen Auffälligkeiten der beiden Strophen aber, die dem Mittelalterbild des 19. Jahrhunderts kaum gemäß sind, machen dies unwahrscheinlich.

Form: Schema nach Str. I:

4-a 4-a 4b / 4-c 4-c 4b // 2-d+2-d 2-e+2f 2-g+2-g 2-e+2f

Str. II tauscht die Kadenz des Binnenreims in V. 8 und 10 (Reimklang e):

4-a 4-a 4b / 4-c 4-c 4b // 2-d+2-d 2e+.2f 2-g+2-g 2e+.2f

Der Abgesang hat stollige Struktur. Auffällig ist der Reimreichtum, der an Gottfried von Neifen und Ulrich von Winterstetten erinnert; bei Gottfried finden sich auch Beispiele für Kadenztausch (vgl. C Neif 49–53 und C Neif 172–174). Beide Strophen verbindet der f-Reim (nas/daz/has/bas) Die Überlieferung ist formal sehr sorgfältig, die Verse alternieren streng regelmäßig (mit nicht-elidiertem Schwa vor vokalischem Anlaut in I,9). Inwieweit diese formale Sorgfalt ›alt‹ ist oder von Loge hergestellt, steht dahin.

Inhalt: (Vagantisches?) Tanzlied mit sexueller Metaphorik. Beide Strophen sind von Naturbildlichkeit geprägt. Der sommerliche Natureingang (I,1–3) erweist sich als trügerisch, wenn das Ich auf den (langsamen) Abschied des Winters und das Kommen des Mais hofft, die mit dem Schatz (?) der Dame parallelisiert werden. (Alternativ könnte man auch an arc stN. ›das Böse, Übel‹ denken, also wohl an die Ablehnung durch die Geliebte.) Auffallend sind die Konkreta hedrich und scherlinc, die möglicherweise einen Einfluss der Bukolik nahelegen. Der ungewöhnliche Genitiv in der scherlinc ’s windes dehset (›der Schierling wird vom Wind geschwungen, schwingt im Wind‹?) ist eventuell verderbt. In der Semantik vom dehsen klingt die sexuelle Metaphorik des Flachsschwingens an (vgl. u. a. C Neif 1–5). Die Bedeutung von I,8–10, in denen Frühling und Dame bildlich verschwimmen, ist rätselhaft. Eventuell sind die roten Lippen der Geliebten (vgl. I,8: sam siu bluͦte) und die Taunässe ihrer bluͤte (I,9) schlicht derb-erotische Anspielungen. Ob sich die Geliebte diese Merkmale ›bewahren‹ oder sich vor ihnen ›hüten‹ soll, bleibt offen (vgl. I,10: liebu̍ guͦte, huͤte daz!), wie überhaupt die Strophe nicht ohne Ambivalenz auskommt (karg, arg).

Str. II mischt die Bildbereiche von Natur, Kampf und Tanz. Die Strophe setzt ein mit einer Tanzszene, die Semantik vom hupfen und swanzen kann als Stilbruch wahrgenommen werden (vgl. das Spiel mit swanzen im an Neidhart erinnernden Mutter-Tochter-Gespräch C Scharfenb 1–7, Str. IIf.). Das Tanzen und swanzen der roten Blumen wird höfisch (ironisch?) als turneisie fin (II,3), als schöner Kampf bezeichnet, von dem das Ich ausgeschlossen ist: Es selbst wird einzig verwundet von dem heisrote[n] mu̍ndelin (II,6) der Geliebten – das Motiv vom roten Mund erinnert dabei an Gottfried von Neifen. Das Motiv wird weitergeführt im Kuss, den das Ich sich als Reizansage im Kampf wünscht (vgl. II,9f.).

Die zahlreichen Gottfried-Anspielungen verweisen nicht ins Bairische (Ampflwang), sondern auf den schwäbischen Dichterkreis. Für Nähe zu diesem spricht auch der Reimreichtum der beiden Strophen. Der strophenübergreifende Reim fängt die inhaltliche Heterogenität – manierierter Bildreichtum (I) neben beschwingtem Tanzlied (II) – formal auf und spricht für eine primäre Überlieferungsgemeinschaft beider Strophen.

Florian Kragl/Simone Leidinger

 n14 Apfl 1 = Zitieren
Kein Digitalisat vorhanden
 I
 
 n14 Apfl 2 = Zitieren
Kein Digitalisat vorhanden
 II
 
 
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