Die Einstellungen der Textansicht wurden gespeichert.

Sie bleiben auf diesem Rechner und in diesem Browser als Standardeinstellungen gültig, bis Sie sie mit anderen Einstellungen überschreiben.
Dietmar von Aist, ›Gedanke die sint ledic fri‹ (C 14 15 16)Lied zurückLied vorDrucker

Kommentar

Überlieferung: Das dreistrophige Lied ist ausschließlich in B und C und beide Male unter Dietmar von Aist überliefert. Zweifel an der Autorschaft Dietmars haben hauptsächlich formale Merkmale geweckt, so unterscheiden sich Reimform und Strophenbau deutlich von den drei ersten Liedern des Dietmar-Korpus in BC. Das Lied und damit einhergehend sein Dichter wurden anhand des metrischen, syntaktischen und inhaltlichen Strophenaufbaus von der Forschung sehr verschieden bewertet: Während Ittenbach, S. 164, von »feingezeichneten, gedanklichen Wendungen des Werbens, Klagens, Lobes in regelmäßigem Gedankenzusammenhang« spricht, hält Karl von Kraus (MF/KU, S. 84) fest: »Dieses Gedicht ist weder gut noch alt.«

Form: In B I, B II und C I: .4a (.)5-b / .4a .5-b // .4c .4d .4c .4d .4e (.)4+.4e

In B III, C II und C III ist das letzte Reimpaar um einen Halbvers kürzer: .4e .4e

In C ist der Langvers die Ausnahme des Strophenbaus (Str. I), während es in B das Kurzvers-Reimpaar ist (Str. III). Der abschließende Langvers könnte auch als Kombination aus Waise und Kurzvers dargestellt werden: (.)4x .4e (vgl. Kasten); die Reimpunkte markieren in C den Reim, in B Dietm 13 auch die Zäsur.  Die gewählte Darstellung betont die Reimpaarbindung, wie sie sich in B III, C II und C III zeigt. Ist die metrische Verkürzung in der zweiten Strophe inhaltlich völlig unproblematisch, lässt der verkürzte Vers III,10 einen lückenhaften Text vermuten: Üblicherweise wird III,7f. als Satzeinheit aufgefasst und die Wendung ›an den ougen schin werden‹ ausschließlich auf die erkennbare (›seht‹) vröude-losigkeit des Ich in V. 7 bezogen. Damit bleiben die letzten beiden Verse der Strophe unverständlich. Diese Ausgabe bietet dagegen die letzten vier Verse als syntaktische Einheit an. Es wird die Möglichkeit vorgeschlagen, das ›an den ougen schin werden‹ als Teil eines Apokoinu und Spiel mit der Augen-Metaphorik zu verstehen: An den Augen zeigt sich nicht nur das Leid des Ich, sie nehmen auch andere schöne Frauen wahr, welche jedoch nicht die Treue zur einen gefährden (unde wirt an minen oͮgen schin / in al der werlte ein schoͤne wib, / vil gar ir eigen ist min lib).

Inhalt: Die drei Strophen wirken als »strophenkreis in engerem sinne, indem die motive ›liebesversicherung, schmerz über trennung‹ in allen drei strophen wiederkehren« (Ipsen, S. 353). Strophe II kann auf den Schluss von I bezogen werden, Strophe III auf den von II (vgl. MF/KA, S. 372). In B III ist diese Verknüpfung durch das vrowen (B III,1) – als Rückgriff auf wiben (II,10) – auffälliger als in C III. Das Wort ›herze‹ zieht sich durch alle drei Strophen, ebenso die Neigung zu Wortwiederholungen und Wortspielen: I formuliert den Gegensatz zu jar so lanc (I,7) gleich doppelt aus, mit leben iht lange in I,9 und verdirbe in kurzen tagen in I,10; II rankt sich um das Sehen (II, 3, 7 und 8), ergänzt um den Sinneseindruck Hören (II,6); III setzt die vröude (III, 3 und 7, in C verstärkt durch C III,1) variationsreich in Beziehung zu liebe (I,4) bzw. herzelieb (I,2).

Simone Leidinger

 C Dietm 14 = MF 34,19Zitieren
Digitalisat
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 64vb
Logo DFG-ViewerBild nach oben scrollen Bild nach unten scrollen Zum Strophenende blättern Bild schließen
 C Dietm 15 = MF 34,30Zitieren
Digitalisat
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 65ra
Logo DFG-ViewerBild nach oben scrollen Bild nach unten scrollen Bild schließen
 C Dietm 16 = MF 35,5Zitieren
Digitalisat
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 65ra
Logo DFG-ViewerBild nach oben scrollen Bild nach unten scrollen Bild schließen
Vignette