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Leuthold von Seven, ›Wil mir ein wip gnedic sin, so wirt min rat‹ (A 41 42)Lied zurückLied vorDrucker

Kommentar

Überlieferung und Form: A und C überliefern, im Rückgriff auf eine gemeinsame Vorlage *AC, das zweistrophige Lied in eng verwandter Gestalt, ordnen es jedoch unterschiedlichen Autoren zu: A Leuthold von Seven, C – wohl mit mehr Recht – Friedrich dem Knecht. Das Paragraphenzeichen in A und die Initialen in C weisen die beiden Strophen als zusammengehörig aus.

Das ist hier deshalb eigens zu vermerken, weil die beiden Strophen, folgt man den Reimpunkten in C, derart unterschiedlich gebaut sind, dass ihre Zusammengehörigkeit in Frage steht:

Str. I: .4a .2b / 4a .2b // .3-c .3-c .2b .2b .4b .6-d .2x 3-d

Str. II: .6a 6a .3-b .3-b .2a .2a .4a 3-c .2x 7-c

Bei Str. I handelte es sich demnach um einen Kanzonen-, bei Str. II um eine Reienstrophe. Den Handschriften folgend, die eine Liedeinheit vorgeben, lassen sich die Strophen einander freilich dadurch annähern, dass man in Str. I aus den Stollen lange Verse macht (bei sin und min kann es sich ja durchaus um einen nur zufälligen Gleichklang handeln) und auch sie damit als Reienstrophen deutet. Zwar kommt diese bei Friedrich dem Knecht und Leuthold von Seven sonst nicht vor, doch da sich die unter diesen Autoren überlieferten Texte wiederholt an Neidhart anschließen, erscheint ihre Verwendung durchaus denkbar. Auf jeden Fall muss man sehr viel weniger stark in den Text eingreifen, um aus der ersten Strophe eine Reienstrophe zu machen, als aus der zweiten eine Kanzonenstrophe, wie das KLD tut. Wenn man dann noch die Anrufungen des ›grauen Otte/o‹ (I,8–10) gegen die Vorgabe der Reimpunkte auf die drei geforderten Verse verteilt, lässt sich auch am Strophenende eine weitgehende Übereinstimmung im Formbau herstellen. Die Divergenz beschränkt sich dann auf den Reim in V. 9 und hebt den Namen Otte/o heraus, indem sie ihn gegen eine Waise setzt:

Str. I: .6a 6a .3-b .3-b .2a .2a .4a 3-c .2c 7-c

Str. II: .6a 6a .3-b .3-b .2a .2a .4a 3-c .2x 7-c

Interpretiert man die Strophen so wie hier vorgeschlagen, verdanken sich die Unterschiede im Formbau vor allem falsch gesetzten Reimpunkten in C. Dazu stimmt die Beobachtung, dass C die Kanzonenstrophe auch sonst als Norm ansetzt. Alternative, aber weniger wahrscheinliche Deutungen der Divergenzen im Formbau von C wären die Annahme einer Kunstabsicht oder einer großen Freiheit im Formgebrauch.

Inhalt: Unklar ist, wie die Apostrophe des ›grauen Otte/o‹ (I,8–10) aufzufassen ist. Ob der – im Minnesang seltene – Eigenname auf eine reale oder eine imaginäre Person referiert, lässt sich genauso wenig entscheiden wie die Frage, ob hier das Ich oder etwa die Frau spricht. Nimmt man Frauenrede an, ließe sich die formale Variation des Strophenschlusses als deren Markierung verstehen.

Manuel Braun

 A Leuth 41 = KLD 11 V 1Zitieren
Digitalisat
Kleine Heidelberger Liederhandschrift (Heidelberg, UB, cpg 357), fol. 38v
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 A Leuth 42 = KLD 11 V 2Zitieren
Digitalisat
Kleine Heidelberger Liederhandschrift (Heidelberg, UB, cpg 357), fol. 38v
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 II
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