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Walther von Mezze, ›Diu linde ist an dem ende nu jarlanc lieht unde bloz‹ (A 13)Lied zurückLied vorDrucker

Überlieferung

A Mezze 13

Kommentar

Nur in A erhaltene Einzelstrophe. Der Bau ist unkonventionell: Die Strophe besteht aus acht paargereimten Langzeilen, die jeweils in einen An- und einen Abvers zerfallen. Der Anvers hat in V. 1–7 stets Auftakt und kadenziert klingend (zwei- und dreisilbig), Ausnahme ist V. 8, wo der Anvers – je nachdem, ob man (zweisilbigen) Auftakt ansetzt, oder nicht – vier- bzw. fünfhebig mit männlicher Kadenz ist. Die vierhebigen Abverse haben meist, aber nicht immer (V. 3, 7) Auftakt und kadenzieren stets männlich. Das ergibt für die ersten drei Langzeilenpaare das Schema:

.3-x+(.)4a / .3-x+.4a

Das vierte und letzte Langzeilenpaar hat die Form:

.3-x+4a / 5x+.5a

Deutlich ist, dass die letzte Zeile als Liedschluss formal hervorgehoben wird. Von Kraus, S. 65f. weist auf die Baugleichheit der Strophe, die in MF allerdings nur V. 1–6 umfasst, mit einem Ton Meinlohs von Sevelingen (MF 14,14) hin. Dass V. 7f. noch zur Strophe gehören könnten, wird nicht einmal erwogen.

Inhaltlich handelt es sich um eine Frauenstrophe, in der die Sprecherin vor dem Hintergrund winterlicher Natur (kahle Linde) darüber sinniert, dass der Geliebte sie hasst. Die Schuld gibt sie unsteten wiben, die dem Jüngling den Kopf verdrethen. Die implizite Selbstpositionierung der Sprecherin ist damit überdeutlich, und es bedarf keines großen Aufwands, die Frauenperspektive dieser Strophe mit der männlichen in den Liedern des so genannten Hohen Sangs zu verrechnen. Konsequenterweise hält sie sich an jene, die hohe sint gemuͦt. Dass der Sommer kommen wird, schließt den Bogen zur kahlen Linde und verleiht dem Lied einen optimistischen Ausblick.

Florian Kragl

 A Mezze 13 = MF 4,1Zitieren
Digitalisat
Kleine Heidelberger Liederhandschrift (Heidelberg, UB, cpg 357), fol. 32r
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