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Walther von Mezze, ›Ein arzat ist min munt‹ (C 1 2)Lied vorDrucker

Kommentar

Überlieferung: Zweistrophiges Lied, das ohne größere Varianz zweimal, allerdings mit je verschiedener Zuschreibung überliefert ist: In B ist es Teil des Korpus von Otto von Botenlauben, während es in C unter Walther von Mezze eingereiht ist; es ist die einzige Überschneidung der beiden Autorenkorpora. Auffällig ist, dass das Lied einmal das Autorkorpus beschließt (B), einmal dieses eröffnet (C).

Form: Formal handelt es sich um eine Kanzonenstrophe mit dem Reimschema:  

a b / a b // c d d c e e

Die Verszeilen sind allerdings in Str. I und II sehr unterschiedlich gefüllt, und auch die Kadenzen variieren.

Str. I: .3a 4b / 4a .3b // .4c 4-d .4-d 4c .4-e .4-e

Str. II: .3a ..4-b / ..4a 4-b // .4c .3d .5/6d .4c 4-e 5/6-e

Eklatant sind nicht nur die Abweichungen zwischen den Strophen; auch dass die Stollen innerhalb Str. I nicht baugleich sind, lässt daran zweifeln, ob das Lied in dieser Form sangbar ist. Carl von Kraus hat darum mit metrischen Besserungen (die weit über das philologisch vertretbare Maß hinausgehen) nicht gespart, um den Strophen eine einigermaßen einheitliche Form abzuringen; sie sind im Apparat nicht notiert, weil ihr heuristischer Wert gering und ihre Semantik fragwürdig ist. Dass die Strophen gemeinsam ein Lied bilden, scheint aber aufgrund des Reimschemas und der doch ähnlichen metrischen Gestalt nahe liegend; entsprechend hat schon der C-Schreiber die Zusammengehörigkeit durch gleiche Initialenfarbe markiert.

Inhalt: Inhaltlich lassen sich die Strophen problemlos aufeinander beziehen, zumal íhr Schweigen in Str. I und dessen Konsequenz in Str. II dem Lied eine konzeptionelle Klammer verleihen. Im Übrigen bleibt das Lied aber dunkel, auch wenn man der sinnfälligeren B-Fassung (I,2, II,3) folgt. Dies liegt daran, dass das Sprecher-Ich sich ausschließlich in vagen Andeutungen ergeht und gerade an den entscheidenden Stellen des Liedes alles Konkrete meidet: In Str. I betrifft dies das wort, das das Ich von ihr zu hören hofft und das ihn gesund machte, in Str. II das Sitzen zwischen zwei Stühlen, die schwach bis unbestimmt bleiben.

Möglicherweise bildet die Varianz zwischen B und C genau diese Verwirrung ab, unter der dann auch schon die Schreiber gelitten hätten. Ob hinter *BC eine ›bessere‹, luzide Fassung steht (von Kraus stellt eine solche beispielsweise für I,1 her), was die formale und inhaltliche Opazität der Strophen zum Unfall der Überlieferungsgeschichte machte, oder ob gerade diese originär sei, lässt sich auf Basis der unsicheren Überlieferung (Varianz, Formdefekte) nicht entscheiden.

Florian Kragl

 C Mezze 1 = KLD 62 IaZitieren
Digitalisat
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 167ra
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 I
 C Mezze 2 = KLD 62 IbZitieren
Digitalisat
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 167ra
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 II
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