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›Transiit nix et glacies spirante Favonio‹ (M Namenl/81r/2 1–6) DruckerTEI Icon

Kommentar

Überlieferung: in M. Die deutsche Str. ist daneben in B und C als Anfangsstrophe eines drei­stro­phigen Lieds überliefert und eröffnet dort das Korpus Dietmars von Aist. CB 112–115 waren wahrscheinlich nicht Teil der ursprünglichen Sammlung und wurden wegen einiger Klagemotive nachträglich in die Gruppe der lateinischen Liebeslieder (jubili, planctus) eingefügt (vgl. Wachinger, S. 285f.).

Form (Str. 1–5): 7' 7' 7' 7' 7' 7' / 4' //R 7' 4' ‖ ababab cxc

Die lateinischen Str. sind der deutschen Str. nachgedichtet. Es ist unsicher, ob der letzte Refrainvers eine Zäsur aufweisen soll (7' 4') oder nicht (11'). Die Antwort hängt davon ab, wie man den Aufbau der deutschen Str. bewertet (siehe zur Parallelüberlieferung in B und C). Die V. 1–3 imitieren die Langzeilen in VI,1f. Die lateinischen Str. übernehmen dabei (bis auf V. 4f.) jedoch nicht das in Str. VI dominante Schema des Paarreims, sondern setzen Kreuzreim. Die V. 1–3 der lateinischen Str. sind weder bei CB/V noch CB/HS als Langzeilen realisiert. Bei CB 113a übernimmt CB/HS allerdings die Anordnung in Langzeilen, CB/V dagegen nicht, sodass die deutsche Str. bei jenem sechs, bei diesem acht Verse aufweist. Die Form kann als »Monometric plus one« bezeichnet werden, d. h. »a predominantly monometric strophic form is varied by one or more lines of another metric type.« CB 113 und CB 85 (ein Refrainlied) stimmen darin überein. Womöglich hat diese Ähnlichkeit den Dichter bewogen, die Str. I–V mit Refrain auszustatten, obwohl die deutsche Str. keinen aufweist. Die Reimstruktur von CB 113 ist identisch mit CB 3,3, ebenfalls ein Refrainlied (vgl. Beatie, S. 309f.).

Form (Str. 6): 4+.4a .4-+4a / 4-b 4-b / 2-c 4+2-c

Die Str. weicht von den anderen deutschen Str. der Handschrift, die bekannten Dichtern zugewiesen werden können, ab: Die vorliegende ist mit Dietmar von Aist einem Dichter der frühen Periode zugerechnet, während die übrigen Parallelüberlieferung bei Dichtern der ›Blütezeit‹ besitzen. Das Lied weist – auch darin weicht es ab – keine Neumierung auf, weder des lateinischen noch des deutschen Teils (vgl. Beatie, S. 308f).

Inhalt: Natureingang in Str. I, der den Bogen schlägt zum Thema des Gedichts: Liebesleid. Das Erwachen des Frühlings, der die Dinge hervorbringt (ortu (I,2)), erweckt im Sänger Liebesverlangen. Verbindendes Element ist der Ausdruck materies. Die folgenden lateinischen Str. entfalten das Thema schmerzvoller Liebe und stehen im Kontrast zur ausgelassenen Stimmung des Refrains. Auffallend ist die Changierung der Stimmung zwischen zwei Extremen: Der Liebende befindet sich in einem Zustand zwischen Leben und Tod, zwischen Liebe und Hass (nec vivit nec moritur (II,3); Hic amor, hic odium (III,1)). Mit dem vorherigen Lied CB 112 verbindet CB 113 das Gefühl der Ohnmacht: Der Sänger ist machtlos gegen seine Gefühle (me furatur inscium et prorsus deficio (III,3)). Die deutsche Str. entstammt einem Wechsel Dietmars von Aist. Die Str. ist weitestgehend Frauenrede (VI,3 bestimmt lediglich die Sprecherin). M spiegelt die Aufteilung der Sprecherrollen der Vorlage. C und B schließen nach Wechselrede mit einer Str., in der ein Ich monologisch den eigenen Liebesschmerz ausdrückt. In CB 113 dagegen verhält es sich umgekehrt: Die Str. I–V sind monologische Klage des Sängers, Str. VI ist die abschließende Erwiederung der Dame. Inhaltlich bildet Str. VI das Pendant zu den lateinischen Str. Die Minnedame klagt in gleicher Weise wie der Sänger über die Unerfülltheit ihrer Liebe. Während der Sänger den Grund für die Ablehnung der Geliebten nicht nennt, begründet diese sie mit der gesellschaftlichen Instanz der huͦte (VI,5). Die nach Vorbild der deutschen Str. gedichteten Str. I–V sind jedoch »kein Minnelied in lateinischem Gewande: Das Schwanken zwischen Liebe und Hass weist auf die Liebeskonzeption der römischen Elegie« hin. Das Liebesverhältnis der lateinischen Lyrik ist zudem gekennzeichnet durch Wiederholbarkeit mit wechselnden Partnern und steht damit dem exklusiven Treueverhältnis höfischer Minne entgegen (vgl. CB/V).

Theresa Höfle

Gehört zu den Anthologien: Minne- bzw. Werbelied, Wechsel
 M Namenl/81r/2 1 = CB 113,1Zitieren
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Codex Buranus (München, BSB, Clm 4660), fol. 81r
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 I
 
 M Namenl/81r/2 2 = CB 113,2Zitieren
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Codex Buranus (München, BSB, Clm 4660), fol. 81r
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 II
 
 M Namenl/81r/2 3 = CB 113,3Zitieren
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Codex Buranus (München, BSB, Clm 4660), fol. 81r
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 III
 
 M Namenl/81r/2 4 = CB 113,4Zitieren
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Codex Buranus (München, BSB, Clm 4660), fol. 81r
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 IV
 
 M Namenl/81r/2 5 = CB 113,5Zitieren
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Codex Buranus (München, BSB, Clm 4660), fol. 81v
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 V
 
 M Namenl/81r/2 6 = MF 32,1; CB 113aZitieren
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Codex Buranus (München, BSB, Clm 4660), fol. 81v
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 VI
 
 
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