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Gottfried von Neifen, ›Sumer, diner froͤidebernden wunne‹ (C 6 7 8 9 10) Lied zurückLied vorDruckerTEI Icon

Kommentar

Überlieferung: Das Lied ist mit fünf Strophen in C überliefert, Str. V ist dabei eine von sechs Nachtrags­stro­phen im C-Korpus Gottfrieds von Neifen (vgl. Henkes-Zin, S. 116). Die Parzivalhandschrift I sowie deren Abschrift I1 führen drei Strophen (C I, II und V).

Form: 5-a 5b / 5-a 5b // 4c 4c .5c

Die Überlieferung in I und I1 ist metrisch weniger regelmäßig als die in C, sie weicht häufiger von der Alternation betonter und unbetonter Silben ab. Von Kraus übernimmt die Reihenfolge der ersten drei Strophen von I und I1 aufgrund von (zwischen I/I1 II,7 und I/I1 III,1 stark variierten) Capfinidos und fügt C IIIf. an (vgl. von Kraus, S. 93), wobei diese beiden dann letzten Strophen nicht auf diese Weise formal miteinander verbunden sind.

Inhalt: Minneklage, gefordert wird eine gegenseitige Liebe; auffällig ist in C IV,3 die bei Gottfried von Neifen wiederholt begegnende sexuelle Metaphorik vom dehsen unde swingen (vgl. auch C Neif 4 sowie Herweg).

In Str. I spricht das Ich den Sommer an, der maniges senden herzen muͦt C I,2) erfreut. Der kurze rhetorische Frage- und Antwortwechsel in I,3–6 baut anhand des sommerlichen Gesangs der Nachtigall den Gegensatz von Winterleid und Sommerfreude aus, dem in I,7 Hohe Minne-typisch das beständige Leid des Ichs entgegengesetzt wird. C I,7 stärkt mit dem temporalen Satzanschluss nu (I und I1 haben ein adversatives doch) die Parallelisierung von Ich und Nachtigall (beide singen), die den Gegensatz von Naturbild (Freude) und Ich-Situation (Schmerz) umso deutlicher macht. Str. II thematisiert erneut den Gegensatz von erhoffter Freude und gegenwärtigem Leid; dabei greift II,1f. den Modus der rhetorischen Frage auf, mit dem die Frau als einzige Hoffnung betont wird. Die Satzkonstruktion in I/I1 II,4–7 ist zerstört. Die Metaphorik der Liebesbande in C III,1–4 ist doppeldeutig: Die Dame soll das Ich loͤsen (C III,3), was einerseits anstandsvoll als Bitte um das Lösen der Liebesbande, mit den direkten Anreden ab C III,5 jedoch eher als Bitte um Erlösung, also um erfüllte Liebe statt Distanz, verstanden werden wird. Str. IV gibt den Klagemodus auf und ist in ihrer Forderung eindeutig: Das treu dienende Ich kündigt an, auch dieses Lied seiner Geliebten vorsingen zu wollen, die beidu̍ dehsen unde swingen kann (C IV,3). Die unvermittelte sexuelle Metaphorik vom Flachsschwingen, die die Forschung verblüfft hat (vgl. von Kraus, S. 93), ist Teil einer nur scheinbar verdrehten Argumentation: Die Geliebte soll das Ich mit ihren Flachsschwingkünsten von seinem Schmerz erlösen, weil dem Ich du̍ froͤide bi wohnt (C IV,6); sie soll ihm also durchaus zu ihrer eigenen (sexuellen) Freude helfen. Die letzte Strophe greift in C die Doppeldeutigkeit der Bandmetaphorik aus Str. III wieder auf, in I und I1 schließt sie nicht minder plausibel direkt an Str. II an. Über der Macht der Dame steht nur die der Liebe: In seiner Ratlosigkeit wendet sich das Ich an die personifizierte Minne und bittet sie, entweder die Dame zu binden und so die gegenseitige Liebe zu ermöglichen oder das Ich von der Liebe zu (er-)lösen.

Simone Leidinger

 C Neif 6 = KLD 15 II 1Zitieren
Digitalisat
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 33ra
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 C Neif 7 = KLD 15 II 2Zitieren
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Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 33rb
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 II
 
 C Neif 8 = KLD 15 II 4Zitieren
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Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 33rb
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 III
 
 C Neif 9 = KLD 15 II 5Zitieren
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 IV
 
 C Neif 10 = KLD 15 II 3Zitieren
Digitalisat
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 33rb
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 V
 
 
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