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Reinmar, ›So wol mich liebes, des ich han‹ (B 27)Lied vorDrucker

Kommentar

Überlieferung: Das einstrophige Lied ist wie B Reinm 24f./C Dietm 19f. in B unter Reinmar und in C unter Dietmar von Aist überliefert. Die Autorschaft ist ungeklärt.

Form: .4a .4b / .4a  .4b // .4c 4+.4c 4+.3d .4+.3d

Wie in C und B üblich, markiert C ausschließlich die Endreime mit Reimpunkt, B dagegen in V. 6f. auch die Anverse. Obwohl sich V. 8 metrisch nicht von V. 7 abhebt, setzt B im letzten Vers nach dem Anvers keinen Reimpunkt. Dies lässt sich möglicherweise mit einer Mischung aus metrischen und syntaktischen Kriterien begründen: Die Zäsur in allen drei Langversen ist gefugt, die Verse können metrisch auch als durchgängig alternierende lange Verse wahrgenommen werden. Syntaktisch unterscheidet sich der letzte Vers jedoch von den beiden vorhergehenden: Anders als V. 6f. spiegelt seine Syntax nicht die Halbversstruktur wieder. Darauf, dass B mit den Reimpunkten in diesem Lied auf die Syntax reagieren mag, deutet auch der nur in B metrisch falsch gesetzte Reimpunkt nach umbevangen (V. 2) hin. Bairisch quantitätsreine Reime wie hier hân / gewan (V. 1 und 3) finden sich in der Dietmar-Überlieferung mehrfach.

Inhalt: Der einstrophige Frauenpreis ist inhaltlich klar gegliedert (vgl. zum Folgenden Hübner, S. 63–66): Im ersten und letzten Vers spricht ein Ich von seiner Freude aufgrund der Geliebten, V. 3–6 beziehen eine gesellschaftliche Perspektive mit ein (V. 3: al/nie diu welt, V. 5: man sol sie loben, V. 6 der uns alle werden hies) und stellen mit dem loben das Ziel des Lieds in seine Mitte. V. 2 und 7 nehmen eine Gelenkposition ein: Der muot des Ich (V. 2) steht hohe wegen des Liebesglücks (V. 1), fügt sich gleichzeitig aber auch in die folgende gesellschaftlich-höfische Perspektive ein; ähnlich liegt der Unsagbarkeitstopos (V. 7) begründet in der Vollkommenheit der Dame, bezieht sich jedoch auch auf die Möglichkeit des Sprechens im Lied und damit auf die Gesellschaft.

Simone Leidinger

 B Reinm 27 = MF 36,23Zitieren
Digitalisat
Weingartner Liederhandschrift (Stuttgart, LB, HB XIII 1), pag. 66
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