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Rudolf von Rotenburg, ›Owe, das ich si miden sol‹ (C 2) Lied zurückLied vorDruckerTEI Icon

Überlieferung

C Rotenb 2

Kommentar

Überlieferung: unikal in C.

Form: Vgl. Leichschema.

Der formale Aufbau entspricht über weite Strecken jenem des ersten bzw. sechsten (sowie, mit Abstrichen, des dritten und vierten) Leichs von Rudolf von Rotenburg, siehe die Ausführungen zu C Rotenb 1. Im Vergleich dazu fehlt hier jeweils ein A- und ein C-Doppelversikel; im Gegenzug ist die erste D-Gruppe von fünf auf sechs Versikel aufgestockt, wodurch die leichuntypische Asymmetrie behoben wird. Am Ende des Leichs ist hinwiederum mit II1 eine ihrerseits asymmetrische Schlussgruppe (zwei plus drei Verse) angefügt.

Geringfügig geändert ist (gegenüber Leich I) die Reimstruktur der C-Versikel: Die (Binnen‑)Reime des zweiten Verses reimen nun unmittelbar aufeinander und nicht, wie bei Leich I und VI, auf die korrespondierenden Reimklänge des Nachbarversikels. Auch die Metrik des F-Versikels ist leicht variiert.

Hinsichtlich der Gruppierung der Versikel wäre es aufgrund der nun gegebenen Symmetrie der ersten D-Gruppe möglich, die D-Versikel im Schema zu drei Doppelversikeln zu bündeln. Diese Option wird verworfen, da die syntaktischen Strukturen innerhalb der D-Gruppe die Grenzen zwischen den Versikeln – einschließlich der hypothetischen Grenzen zwischen den möglichen Doppelversikeln – häufig überspielen.

Mikrostrukturell auffällig ist der Reim kan : hân (V. 42f.). Metrisch ist der Leich nicht frei von kleinen Unregelmäßigkeiten der Alternation (bes. in den D-Versikeln) und der Auftaktgestaltung (vgl. V. 50, 57, 67, 82).

Inhalt: Minneleich. Die gedankliche Komposition ist abermals jener von Leich I verwandt, doch nicht mit dieser identisch. Es herrscht ein stärker melancholischer Ton, der schon den Beginn des Leichs (A-Gruppen) prägt: Nicht Frauenpreis und Dienstbekenntnis machen den Anfang, sondern Minneleid und Minnefeinde. Im Folgenden wird dieses gedankliche Feld, zu dem sich Freudlosigkeit und Hoffnung gesellen, vor allem von den B- und B-artigen Teilen bestellt, während die C- und D-, teils auch die E-Partie (V. 21–33, 41–74) Frauenpreis, Dienstbekenntnis, mitunter auch phantastische Lohnhoffnung bergen. Die Grenzen sind freilich nie scharf gezogen und thematische Interferenzen nicht selten.

Die formal auffällige GH-Partie (ab V. 105) dient der Thematisierung der Ungerechtigkeit des Minneverhältnisses – eine leise Anklage der Geliebten –, die aber rasch wieder zum Dienstbekenntnis zurückführt, woraus sich im Finale des Leichs (I-Gruppen; ab V. 119) das ›klassische‹ Minne-Leid-Paradoxon entwickelt. Ob die letzte II1-Gruppe diesen Leich der Hohen Minne mit einem ironischen Unterton versieht (umbe ein bone, V. 130; laster, V. 131), ist eine Frage, deren Antwort maßgeblich von der Rezeptionshaltung abhängen wird.

Florian Kragl

Kommentar veröffentlicht am 06.04.2021.
Gehört zur Anthologie: Leich
 C Rotenb 2 = KLD 49 Leich IIZitieren
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Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 55ra
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