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Rudolf von Rotenburg, ›Hete ich niht anders leides me‹ (C 4) Lied zurückLied vorDruckerTEI Icon

Kommentar

Überlieferung: in A unter Niune, in C doppelt: unter Niune und unter Rudolf von Rotenburg. Die Varianz ist, wenn man vom fehlenden ersten Versikel in A absieht, sehr gering. Im Detail stehen einander die beiden Niune-Überlieferungen näher. Die Zuschreibung an Rudolf von Rotenburg ist nicht nur aufgrund der notorischen Zuschreibungsproblematik bei Niune wahrscheinlich, sondern auch aufgrund einiger makrostruktureller und inhaltlich-thematischer Ähnlichkeiten des Leichs mit den Leichen I, II, III (und VI) des Rotenburgers (siehe unten).

Form: Vgl. Leichschema.

Wenn der Leich dem Rotenburger gehört, ist es mit Abstand sein kürzester. Die Makrostruktur ist jener der erwähnten anderen Leiche grob verwandt (ähnliche Zahl an Versikeltypen), wenn auch in diesem Leich die charakteristisch taktenden B-Gruppen der anderen Leiche fehlen. Der Aufbau ist reihend, einige Versikeltypen stehen einander formal nahe (A und B, C und D, F und H/H1). Der Leich ist geradezu idealtypischer Vertreter des Sequenz-Typs mit einfachem Kursus (Kuhn, S. 136).

Für den Ansatz von Binnenreimen spricht, neben der Kürze der Reimabschnitte, die besser abgesicherte Verwendung von Binnenreimen in anderen Leichen Rudolfs von Rotenburg (siehe den Kommentar zu C Rotenb 1).

Analytisch schwer fassbar ist Versikel E, der keine klare Symmetrie ausbildet. Ob man hier von drei einversigen Versikeln auszugehen hat, deren dritter Überlänge hat, oder ob es ein dreiversiger Versikel ohne jede Wiederholung sei, ist nicht zu entscheiden. Ähnliches gilt für die Schlussgruppe, die sich auch als Folge HH mit einem verbleibenden Rest von zwei angereimten Versen beschreiben ließe. Beide Gruppen stören das Wiederholungsprinzip der Leichkomposition, was am Leichende generell nicht selten, im Inneren aber eher unüblich ist. Die Unsicherheit lässt sich in beiden Fällen bereits an der uneinheitlichen Gliederungssystematik der Handschriften beobachten.

Die dreifache Überlieferung birgt keine nennenswerte formale Varianz, wenn man von der Auftaktbehandlung im ersten Vers des Versikels H bzw. H1 absieht. Der fehlende erste Versikel in A kann nur Überlieferungsdefekt sein (vgl. auch das bezugslose Nu am Texteingang).

Inhalt: Minneleich, der zentrale Topoi der Hohen Minne, blockartig nach Versikelgruppen, aneinanderreiht. Die additive Struktur der Bauform entspricht jener der Gedankenfolge.

Ein winterlicher Natureingang wird enggeführt mit erfolglosem Dienst und Minneleid (A, fortgesetzt in B). Es schließen an: die paradoxe Verquickung von Minnefreude und ‑leid (C), Authentizitätsproblematik (D), Wert des Sangs für die ›anderen‹ (E), höfisches Verhalten, hôher muot, Aufrichtigkeit (F), der Kontrast zwischen der richtigen Minne des Ichs und der falschen Minne der anderen (G). Die Schlussgruppe formuliert zwei mögliche Konsequenzen: die totale Ignoranz der Geliebten gegen das singende Ich gefährdet den Sang; ihr Gruß wiederum würde die Klage zerstören. Die beiden Nachklappverse gewichten die beiden Optionen, indem sie dauernden Misserfolg und dauernde Freudlosigkeit verbinden.

Florian Kragl

Kommentar veröffentlicht am 06.04.2021.
Gehört zur Anthologie: Leich
 C Rotenb 4 = KLD 49 Leich IV, 1Zitieren
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Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 55vb
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