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Heinrich von Veldeke, ›Ich bin dir lange holt gewesen, frowe biderb unde guͦt‹ (A 8 9 10)Lied zurückDrucker

Kommentar

Überlieferung: Fünf Strophen sind in C und B unter Dietmar von Aist überliefert. A führt drei der Strophen in abweichender Reihenfolge unter Heinrich von Veltkilchen, der ersten von zwei Veldeke-Sammlungen in A. Die Veldeke-Forschung betrachtet die Strophen als unecht (vgl. Weindt, S. 4).

Form: (.)4(-)+(.)4a (.)4(-)+(.)4a (.)4+.4b (.)4+(.)4b

Die Strophenform wirkt einheitlich durch überwiegend gleiche Kadenz und Hebungszahl der Verse (vgl. Ipsen, S. 347), die Kadenz variiert nur in den Anversen teilweise. Stark verkürzt und dadurch syntaktisch eng mit dem vorangehenden Vers verbunden ist der Anvers in A III,2. Die Abweichungen hinsichtlich der Reimwörter sind äußert gering: C setzt in III,1f. reinen Reim statt der Assonanz in B (zum Vorgehen des C-Schreibers vgl. Henkes-Zin, S. 181); ohne Änderung des Reimklangs bringt A in III,4 getan anstelle des han (B/C) und greift damit das Reimwort aus A I,4 wieder auf (vgl. Klein, S. 390).

C markiert mit Reimpunkt Langverse, B im Prinzip Halbverse (Ausnahmen: I,1, II,3, IV,1 sowie V,1-3), A lässt kein durchgängiges Prinzip erkennen. Satz- und Versgrenzen fallen meist zusammen, nur in B/C IV,2f. bzw. A III,2f. liegen sie im Widerstreit, wodurch »dieser Aussage ein besonderer Ausdruckswert verliehen wird: das Herz erhebt sich gleichsam über die Versgrenze hinweg.« (Scholz, S. 66, Anm. 6).

Inhalt: B und C überliefern unter den fünf Strophen zwei (IV und V), welche als Wechsel verstanden werden können und durch ihre korrespondierende Naturdarstellung eng miteinander verknüpft sind, wobei der Schwerpunkt der männlichen Stimme eher auf dem Raum, jener der weiblichen eher auf der Zeit liegt (vgl. Brinkmann). I-III sind inhaltlich sowie hinsichtlich der Sprechhaltung heterogen: I ist eine Begrüßung des Frühlings und der Freude, die uns mit einbezieht, II eine Ich-Strophe, die sich an die Geliebte richtet, III eine gnomische Strophe, deren Stimme weder eindeutig männlich noch eindeutig weiblich ist. Assoziativ wirken Wort- und Motivresponsionen, die sich teilweise auch auf IV und V erstrecken (vgl. Ittenbach, S. 159-162, Ipsen, S. 346 und 350f.; Vorschläge der Forschung zur Liedbildung bei Scholz, S. 61).

Handschrift A überliefert drei Strophen: als erste Strophe die sich an die Geliebte richtende Ich-Strophe (II in B/C), als II und III den gegenüber B/C in der Reihenfolge vertauschten Wechsel. Auch in A fügt sich I inhaltlich nicht nahtlos dem Wechsel zu. Das Ich bezieht sich auf eine andere Situation als die weibliche Stimme der folgenden Strophe. Sowohl I als auch II setzen mit dem Rückblick auf eine Zeitspanne ein, I und III schließen mit der gleichen Wortfolge (wol getan, I,4 und III,4, vgl. Klein, S. 390). »Ob A damit ein dreistrophiges Lied zu geben glaubte, ist nicht auszumachen« (Ittenbach, S. 159). Interessant ist die veränderte Satzstruktur in A III,4, durch welche die schwebenden Raum-Zeit-Entwürfe der B/C-Strophe zurückgenommen und raum-zeitliche Linearität geschaffen wird: In B/C III sind Sinneseindrücke, Erinnerung und Empfinden des Ich raum-zeitlich verwoben, gleichzeitig können in der Strophe die drei Schritte der mittelalterlichen Erkenntnislehre – sensus, memoria, ratio – nachvollzogen werden (vgl. Groos, S. 163f.).

Simone Leidinger

 A Veld/32r 8 = MF 33,23Zitieren
Digitalisat
Kleine Heidelberger Liederhandschrift (Heidelberg, UB, cpg 357), fol. 32v
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 I
 A Veld/32r 9 = MF 34,11Zitieren
Digitalisat
Kleine Heidelberger Liederhandschrift (Heidelberg, UB, cpg 357), fol. 32v
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 II
 A Veld/32r 10 = MF 34,3Zitieren
Digitalisat
Kleine Heidelberger Liederhandschrift (Heidelberg, UB, cpg 357), fol. 32v
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 III
Vignette