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Ulrich von Winterstetten, ›Swer die wunne wol pruͤven kunne, der si des gemant‹ (C 4) Lied zurückLied vorDruckerTEI Icon

Kommentar

Überlieferung: vollständig in C, einige Splitter in S₁. Auffällig ist dort gegenüber C die Vertauschung von V. 142 und V. 146, ansonsten ist die S₁-Überlieferung textkritisch wertlos. Spektakulär ist das freilich sehr kurze Melodiefragment ebd. zum Schluss von A1 und zu B: die einzigen Noten zu Ulrich von Winterstetten überhaupt.

Form: Vgl. Leichschema. Der Leich besteht aus mehreren Großgruppen. Der erste Teil (V. 1–80) ist geprägt von A-Teilen. Sie setzen den Beginn (vierfache Wiederholung), als großflächigere Wiederholung tritt die Sequenz A1A1BBCCA1A1 zweimal auf; unterbrochen ist der doppelte Kursus von einer kurzen, später nicht mehr wiederkehrenden Sequenz DDDDEE. Wie ein Steg vermitteln die ungemein reimdichten Teile FFGG (V. 81–96) zwischen diesem ersten Hauptteil und dem nächsten, der von H-Partien dominiert wird (V. 97–172). Auch in dieser Großgruppe wird Versikelmaterial mehrfach wiederholt, allerdings variiert die Kombination der einzelnen Teile, sodass, anders als in der ersten Großgruppe, keine Kursus-Struktur erkenntlich wird. Originell ist die Handhabe der K-Teile: Sie zerfallen in verschiedene Varianten und werden zu Bauteilen verschiedener Größe kombiniert. Wiederum bildet eine Art Steg mit reimdichten Partien (LLMM = V. 173–176) den Übergang zur dritten und letzten Großgruppe, in der N-Teile regieren (V. 177–198).

Der Reimreichtum der Komposition macht die Entscheidung über Binnen- oder Endreime nicht immer einfach. Insgesamt scheint es so zu sein, dass im Verlauf der Großteile Langzeilen zusehends von Kurzzeilen (K, N) verdrängt werden. Auch die Verwandtschaft der einzelnen Versikelteile ist z. T. hoch (etwa bei C, D und E oder bei O und P), sodass man mitunter auch Varianten eines einzelnen Typs ansetzen könnte. Umgekehrt wäre es denkbar, dass ein Teil der mikrostrukturellen Varianz auf Überlieferungsfehlern beruht (entsprechend glättet KLD passim, wenn auch nicht energisch). Die Wechsel der Versikel werden in C penibel mit Paragraphenzeichen notiert. Vergessen sind sie nur bei V. 92 und 175; vermutlich unsicher und folglich inkonsequent war der Schreiber bei der Schachtelung der K-Varianten, sodass V. 135 und 143 ebenfalls das zu erwartende Paragraphenzeichen fehlt.

Kuhn, S. 94f. weist darauf hin, dass Versikelteile bzw. Versikelvarianten oft von »Endendifferenzierung« (analog frz. vert und clos; z. B. innerhalb von A und A1 durch Kürzung der zweiten Versikelhälfte um einen Takt) geprägt sind, was den Leich dem Estampie-Typus annähert. Dies sowie die formale Verwandtschaft vieler Versikeltypen werde auch in dem Melodiefragment greifbar (ebd., S. 95). Forciert hingegen wirkt Kuhns Versuch, die Makrostruktur des Leichs als Schachtelung triadischer Strukturen zu begreifen (ebd., S. 96–98). All dies stelle den Leich in die Nähe von Ulrichs Leichen I und V. Formal verwandt mit Ulrichs Leich IV ist außerdem der ähnlich gebaute Leich Heinrichs von Sax (SMS 6,1; vgl. ebd., S. 126f.).

Eine Besonderheit des Leichs im Korpus sind die unreinen Reime (D, F), die sehr wahrscheinlich nicht überlieferungsbedingt sind. Nicht selten sind die Kadenzformen der Binnenreime nicht präzise zu bestimmen, weil Elision bzw. Auftakte im Versinneren die Grenzen zwischen männlicher und weiblicher bzw. klingender Kadenz verwischen (z. B. im I-Typus). Immerhin spricht dies sowie die vagierende Position mancher Binnenreime (z. B. im H- und im I-Typus) dringend dafür, dass zumindest diese Reime auch als solche zu begreifen sind.

Unklar ist weiters, ob die Binnenreime in F und I in der Senkung stehen oder von einer Folge von Doppelmoren auszugehen ist (vgl. auch C Wint 73–74, C Wint 80–83 und C Wint 101–105). Vielleicht führt das Problem auf die Beobachtung hin, dass die textmetrische Beschreibung mittelhochdeutscher (gesungener) Lyrik systematisch defizitär ist.

Inhalt: Minneleich mit Tanzschluss. Nach einem sommerlichen Natureingang (V. 1–16) wird dieser mit dem Leid und dem Kummer des Ichs kontrastiert. Im Folgenden werden diese wortreich ausgebreitet, untermischt mit der Hoffnung auf Linderung durch die Dame, Bitten an ebendiese und Frauenpreispartien. Diese topischen Versatzstücke dominieren die beiden ersten Großgruppen. Der dritte Block wechselt, beginnend mit dem zweiten ›Steg‹ (ab V. 173), das thematische Register: Das Ich fordert nun zum Tanz auf, neidhartisches Frauenpersonal wird aufgerufen oder tritt auf, entworfen wird – im Modus des Imperativs – ein heiteres sommerliches Tanzfest (was den Bogen zurückschlägt zum Natureingang); am Schluss findet die übermütige Szene mit einem ›Genug ist genug‹ ein jähes Ende.

Florian Kragl

 C Wint 4 = KLD 59 Leich IVZitieren
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