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Gottfried von Neifen, Nu siht man aber die heide val
C Neif 96
IC Neif 96 = KLD 15 XXIII 1
C Neif 97
IIC Neif 97 = KLD 15 XXIII 5
C Neif 98
IIIC Neif 98 = KLD 15 XXIII 6
C Neif 99
IVC Neif 99 = KLD 15 XXIII 2
C Neif 100
VC Neif 100 = KLD 15 XXIII 3
C Neif 101
VIC Neif 101 = KLD 15 XXIII 4

Kommentar

Überlieferung: unikal in C.

Form: .4a .4b .5-c / .4a .4b .5c // .5-d .4e .4e .2e+.3-d

Inhalt: Thematisch, motivisch und klanglich wirken die Strophen in sich auffällig abgerundet und sind dadurch gleichzeitig untereinander verknüpft. von Kraus ordnet die Strophen um, da er von einer Linearität der Verknüpfungen ausgeht (vgl. von Kraus, S. 119). Der Binnenreim am Strophenschluss tritt als zusätzliches Element zur durchgängigen Abfolge von vier- und fünfhebigen Versen.

I ist ein Winter-Natureingang, der persönlichen Liebeschmerz (Abgesang) und allgemeines Winterleid (Aufgesang) zusammenführt. Dabei wird thematisch und tatsächlich mit ›Klang‹ gespielt: Innerhalb des anaphorisch (nu) vereinheitlichten ersten Stollens leitete das Ich nach den visuellen Naturdetails in I,1f. (nu siht man) mit nu hoͤrt man (I,3) über zu den (im Winter fehlenden) akustischen Naturphänomenen, nämlich dem Vogelgesang. Mit nu wird auch das Lob der Geliebten im letzten Vers angeschlossen, jedoch nicht mehr als wandelbare Wahrnehmung, sondern als feststehende Tatsache (sie ist gut, die unwandelbere I,10). Die Liebeseinheit ist Thema von Str. II. Semantisch wird Einheitlichkeit erreicht durch eine Leitworttechnik um die herzen, die einmuͤtig (II,3) sind im Liebesbegehren, jedoch blind dahingehend, wie sie herzeleit (II,6) in Freude umwandeln können: durch die körperliche Nähe zum herzeliep (II,8). Den Konjunktiv, dass die Minne dann ein Wunder wirken kann, konjiziert von Kraus zur Feststellung. Str. III schließt an II thematisch eng an mit der rhetorischen Frage des Ichs, warum die Minne an ihm und der Geliebten kein wunder (III,2) wirkt, wo sie es doch kann. Das Ich wird zweimal durch Dienst charakterisiert (vgl. III,4/10), der topische Wunsch, die Geliebte möge ebenfalls Liebesschmerz empfinden, wird charmant poetisiert zum niht gar in wunnen swebe[n] (III,8). In IV wird die Körperlichkeit der Geliebten betont (IV,1: mu̍ndelin, IV,2: lip, IV,3: oͮgen). Dabei steht besonders der Mund für die sexuelle Verheißung, einmal durch seine Röte (vgl. IV,1), einmal als ›Bote‹ der erwünschten Zustimmung (IV,10). Ähnlich wie in I ist auch hier der erste Stollen durch Parallelismen geprägt, was in V und VI zum Prinzip der gesamten Strophe wird. In beiden Str. V und VI begegnet auch erneut das Motiv des (nun lachenden) roten Munds. So ist Str. V durch die sechsmalige Anapher nu lache (zusätzlich im Versinneren in V,3) durchgliedert; thematisch dominiert der Wunsch, von der Geliebten angelacht zu werden. In Str. VI ist wie in Str. II die Liebeseinheit Thema, und bis auf drei Verse beginnt jeder Vers mit dem bereits in Str. II begegnenden Wort einmuͤtig.

Simone Leidinger

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