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Ulrich von Winterstetten, Ich solde den liehten sumer loben
C Wint 42 (36)
IC Wint 42 (36) = KLD 59 X 1
C Wint 43 (37)
IIC Wint 43 (37) = KLD 59 X 2
C Wint 44 (38)
IIIC Wint 44 (38) = KLD 59 X 3
C Wint 45 (39)
IVC Wint 45 (39) = KLD 59 X 4
C Wint 46 (40)
VC Wint 46 (40) = KLD 59 X 5

Kommentar

Überlieferung: unikal in C.

Form: Kanzone mit Refrain. Metrisches Schema:

.4a .4b / .4a .4b // .4c .4d .4c .4d .4d //R 2-e+2-e 2f+.2f

Der Ansatz von Binnenreimen im Refrain bietet sich wegen der Verssymmetrie (Vierheber) an. Es überwiegt regelmäßige Alternation, an einigen Stellen ließe sie sich lesend leicht herstellen (sold’, I,1, tragt, I,8, gên/gein, III,5 und V,3, geriht, IV,2, sôst, IV,9, klag’, V,1), in seltenen Fällen aber gibt es zweisilbige Hebungen (I,3, II,8, III,8). Der durchgängige Auftakt wird in I,6 von einer Tonbeugung bzw. schwebenden Betonung gestört. Häufige Reimresponsionen binden die Strophen aneinander (I,1. 3 zu II,6. 8, I,4 zu V,9, I,5. 7 zu II,5. 7, III,3 zu IV,2, IV,1. 3 zu V,6. 8. 9). Außerdem verknüpft anaphorisches Min klage alle Strophen mit Ausnahme der ersten. ger (I,4) neben gir (V,9) erklärt sich wohl durch reimbedingte lautliche Flexibilität.

Inhalt: Einem gleichsam trägen Sommereingang, dem sich das Ich latent zu verweigern scheint (I), folgen strophenweise verschiedene Topoi der Minneklage: die Exzellenz der Frau, die ihn verletzt (II), ihre Ignoranz ihm gegenüber (III), die Ungerechtigkeit, die er erleidet und doch auf sich nimmt (IV), endlich die verzweifelte Hoffnung, in der das Ich befangen ist (V). Das abschließende Paradoxon, dass das Verlangen seines Herzens sich selbst im Wege steht, bündelt die vorstehenden Motive genauso kompakt wie der Refrain, der die schiere Aussichtslosigkeit allen Tuns betont.

Nicht ohne weitere Kontexte verständlich ist die Adresse an die Schwaben (I,7). Die wenigen Similien, die von Kraus, S. 580 gesammelt hat, sind unspezifisch. Bremer, S. 135 denkt an den »schwäbischen Zeitpunkt[] im Minnesang, in welchem diese Kunstform am Hofe Heinrichs VII. eine hohe Blüte erfährt«, Händl, S. 334 deutet die Schwaben als Chiffre »für jede höfische Gesellschaft«. Vielleicht gehört auch die Strophe mit dem Königsgericht (IV) in diesen Anspielungshorizont.

Florian Kragl

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