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Der von Obernburg, Uns tuͦt winter aber leide
C Obernb 4
IC Obernb 4 = KLD 40 II 1
C Obernb 5
IIC Obernb 5 = KLD 40 II 2
C Obernb 6
IIIC Obernb 6 = KLD 40 II 3
C Obernb 7
IVC Obernb 7 = KLD 40 II 4

Kommentar

Überlieferung: unikal in C.

Form: 4-a 4-a 4b / 4-c 4-c 4b // 4-d 4-d 5b

Der Vokal des wiederkehrenden b-Reims verbindet Str. I mit Str. II und Str. III mit Str. IV. Eine allgemeinere semantische Verknüpfung ergibt sich im Versinneren dadurch, dass in II,1 das Wort klage aus I,7 wieder aufgegriffen und in II,6 (froͤideloser) und III,3 (froͤiden) froͤide thematisiert wird. Unlandt, S. 267, wertet dies als fehlerhaften Versuch, die Technik der Coblas capfinidas aus dem Okzitanischen zu übernehmen.

In II,1 und II,4 wohl schwebende Betonung.

Inhalt: Minneklage, in der das Ich die froͤide[] als Pflicht thematisiert.

Der Winter-Natureingang ist mit einer Zeitklage verbunden: Das Ich bemängelt, nirgends mehr froͤiden schal (I,9) vorzufinden. Auf die Aussage daz klage ich (I,7) nimmt die rhetorische Frage Was klage ich tore, ich tumber? (II,1) direkt Bezug, die von der allgemeinen Perspektive zur persönlichen überleitet und dazu, dass das Ich ab Str. II den Klagegestus für sich ablehnt. So sieht es die Hoffnung auf Liebeserfüllung als Verpflichtung, sich jetzt schon zur Freude zu zwingen (vgl. insbesondere das semantische Spiel in III,3f.). Die allgemeine rhetorische Frage in IV,1f. (Was kan sorge baz vertriben danne lon von guͦten wiben?) greift erneut auf eine vorangehende Aussage zurück (vgl. III,8: sorgen ane machen), und wieder wechselt die Sprechhaltung, diesmal von der persönlichen zurück zu einer allgemeingültigen: Der Vorbildcharakter der auf Freude ausgerichteten Haltung des Ichs wird so betont.

Simone Leidinger

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