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Alram/Waltram von Gresten, Der ich gab vu̍r eigen mich gar minu̍ jar
C Alram 10
IC Alram 10 = KLD 64 II 1
C Alram 11
IIC Alram 11 = KLD 64 II 2

Kommentar

Überlieferung: Alram von Gresten in C, Markgraf von Hohenburg in A. Die beiden Fassungen unterscheiden sich nur geringfügig, den störungsärmeren Text bietet C.

Form: Kanzonenstrophe.

Der Reimreichtum der Strophenform macht es unmöglich, die Versgrenzen exakt zu bestimmen. Von dieser Labilität zeugt auch die Reimpunktsetzung der Handschriften: C folgt den Reimklängen, A gebraucht Reimpunkte nur sehr spärlich. Damit sind grob die Extremformen der Zeilenstruktur beschrieben: Umbruch nach jedem Reimklang hier, binnengereimte ›Prosa‹ dort. Inwieweit diese Problematik sich anders darstellte, wenn zusätzlich zum Text auch eine Melodie erhalten wäre, steht dahin.

Die gewählte Darstellung versteht sich als Kompromiss zwischen diesen theoretischen Schwierigkeiten und dem Bemühen, einen Text zu zeigen, der moderne Augen nicht unnötig irritiert. Sie reagiert außerdem auf die Beobachtung, dass bei der Orientierung an den (bei Schlagreim: jeweils zweiten) männlichen Reimklängen vielfach vierhebige Verse entstehen, die auch in ihrer Binnenstruktur (Verteilung der Binnenreime, Rhythmus) identisch oder verwandt erscheinen. So ergibt sich als metrisches Schema:

.2-a+.1b+..1b ..1-c+.1-b+.3d / .2-a+.1e+..1e / ..1-f+.1-f+.3d // 3g+..1g ..1-h+.1-h+(.)2i .1+.i+.1-j+.1-j+.1k .3k

Freilich ist die Deutung von Metrik und Rhythmus im Einzelnen sehr schwierig. Evident ist der häufige Einsatz von daktylischen Takten mit der Tendenz, auch Versgrenzen mit männlicher Kadenz zu überspielen, und zwar dann, wenn man den nächsten Vers mit doppeltem Auftakt einsetzen lässt (z. B. V. 1/2). Besonders dunkel sind die metrischen Verhältnisse an der Grenze von Auf- und Abgesang; ihre Einschätzung ist von der Differenz zwischen den beiden Strophen zusätzlich erschwert. Die Verseingänge von V. 1 und 3 ließen sich, ähnlich V. 5, alternierend lesen. Auch ob es sich in V. 7 um einen Senkungsreim handelt oder nicht, kann auf Basis des Textes alleine nicht entschieden werden. Festhalten wird man aber dürfen, dass die Strophenform immer wieder von Rhythmuswechseln (trochäisch vs. daktylisch) geprägt ist, wodurch das Lied eine hektische Manier gewinnt.

Die Realisierung des Strophenschemas ist penibel: Liest man daz ich in II,4 mit KLD als deich, ist der Wechsel von Hebung und Senkung im Lied weitgehend streng geregelt, die Silbenstruktur der beiden Strophen ist beinahe deckungsgleich. Die a/â-Reime in I,1 und II,6f. sind möglicherweise dialektal zu erklären. Nur in A ist der Reim in Str. II mehrfach gestört.

Inhalt: Minneklage mit untermischtem Frauenpreis und optimistischer Note. Auffällig sind die syntaktischen Irregularitäten, die jeweils am Ende der beiden Strophen begegnen und die evtl. der emotionalen Erregung des Ichs Ausdruck verleihen. Sie konterkarieren – vielleicht sehr gezielt – die Formstrenge der Reimartistik.

Florian Kragl

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