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Ulrich von Liechtenstein, Wil ieman nach eren die zit wol vertriben
C Liecht 74 (71)
IC Liecht 74 (71) = KLD 58 XVI 1
C Liecht 75 (72)
IIC Liecht 75 (72) = KLD 58 XVI 2
C Liecht 76 (73)
IIIC Liecht 76 (73) = KLD 58 XVI 3
C Liecht 77 (74)
IVC Liecht 77 (74) = KLD 58 XVI 4
C Liecht 78 (75)
VC Liecht 78 (75) = KLD 58 XVI 5
C Liecht 79 (76)
VIC Liecht 79 (76) = KLD 58 XVI 6
C Liecht 80 (77)
VIIC Liecht 80 (77) = KLD 58 XVI 7

Kommentar

Überlieferung: C Liecht und L überliefern die sieben Strophen parallel. Die Reimstruktur hat in C zu Korrekturen in Str. I und II geführt, die als eigene Bearbeitungsschicht zu erkennen sind: In C II,1 wurde zunächst Swer volget dem muote geschrieben, der Schreiber hat damit die Binnenreimstruktur von I,1f. fortgeführt. Vermutlich weil in den Str. III–VII in V.1f. kein Binnenreim vorkommt, hat der Schreiber dies als Regel erkannt und sie nachträglich auch an die Str. I und II angelegt: In C II,1 wurde muote expungiert und nach L durch schilde ersetzt, zudem wurden der Reimpunkt hinter muote und die hinter eren und keren (I,1/3; dies betrifft evtl. auch den Reimpunkt hinter zu̍hten in III,1) ausgewischt (vgl. Kragl, S. 419).

Form: .4-a .4-a .4-b .2-b+.2-c .2-c+.2-c

Der Rhythmus der Reienstrophe ist daktylisch. In I,1f. und III,3 treten zusätzlich Binnenreime dazu. Der Auftakt fehlt in III,3, IV,1, V,1 und VI,2. L IV,1 und C VI,3 sind metrisch unterfüllt, was in C VI verbunden ist mit einer inhaltlichen Korruptele: Die Allegorisierung des Schildes wie in L fehlt (vgl. Kragl, S. 416 sowie die detaillierte metrische Diskussion ebd., S. 415–420).

Inhalt: Das didaktische Lied fasst Minnedienst mithilfe von Kriegsmetaphorik. Inhaltlich korrespondiert diese uzreise (so die Überschrift in L) bis hin zu Motiven und Reimwörtern einer zweiten (vgl. C Liecht 192–98 et al.), die Lieder setzen jedoch vor allem in den letzten beiden Strophen unterschiedliche Akzente (vgl. Brecht, S. 18f.).

I etabliert den Minnedienst zunächst als ehrenvollen Zeitvertreib. In II wird über die Minne als Schildwappen eine Kriegszugsbildlichkeit eingeführt, die in III ausgeweitet wird durch den personifizierten schilt, der nach Mut verlangt. IV treibt diese Bildlichkeit weiter: Solcher Schild und Helm wehrt jegliches unhöfische Verhalten ab; das Feldzeichen derjenigen dagegen, die wenig Ehre haben, ist Angstblässe. V thematisiert das entsprechend richtige Verhalten der Frauen, die nur einen getru̍wen gesellen (C V,2) lieben sollen. Mit VI wendet sich das Ich der eigenen Situation zu. Es wird dem Minnewappen weiter treu folgen, auch wenn die Geliebte es in diesem Kampf verletzt hat und es ablehnt. Sie ist diejenige, die den Krieg veranlasst (vgl. VII,1f.), und das Ich setzt sein treues vorbildliches Verhalten einem falschen entgegen – es bleibt offen, ob mit letzterem das Verhalten der Geliebten oder der Ehrlosen aus IV gemeint ist. Dass in L VII,5 abschließend die stæte der Dame und nicht, wie in C, die des Ichs hervorgehoben wird, kann betonen, dass die Beständigkeit des Ichs der Geliebten ›gehört‹, sich also nur auf sie ausrichtet.

Simone Leidinger

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