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Virent prata hiemata
M Namenl/61r/2 1
IM Namenl/61r/2 1 = CB 151,1
M Namenl/61r/2 2
IIM Namenl/61r/2 2 = CB 151,2
M Namenl/61r/2 3
IIIM Namenl/61r/2 3 = CB 151,3
M Namenl/61r/2 4
IVM Namenl/61r/2 4 = CB 151,4
M Namenl/61r/2 5
VM Namenl/61r/2 5 = CB 151,5
M Namenl/61r/2 6
VIM Namenl/61r/2 6 = CB 151a; L 51,29

Kommentar

Überlieferung: in M. CB 151a ist in C als dritte Str. eines Lieds Walthers von der Vogelweide, des sogenannten ›Mailieds‹, aufgeführt, in A als dritte Str. eines Lieds Leutholds von Seven. Eine weitere Str. des ›Mailieds‹ in C (Str. IV) bildet CB 169a. Dass zwei Str. desselben Lieds als deutsche Schluss­stro­phen verwendet werden, kommt in den carmina Burana sonst nicht vor.

Form (Str. 1–5): 4 4 5' / 4 4 5' // 5' 4 4 8 5' ‖ aab aab cdddc

Abweichungen vom Reimschema in II,1 und V,7. Das Versmaß ist trochäisch, die Langzeilen sind trochäische Dimeter. Stellt man die metrische Form ohne Zäsuren bzw. Binnenreime dar, tritt die Übereinstimmung von CB 151 und 151a deutlicher vor Augen: 8a 5'b 8a 5'b / 5'c 8d 8d 5c'. Die Neumierungen sind ebenfalls identisch (vgl. Brunner, S. 50*).

Form (Str. 6): .4-a 3b / 4-a 3b // 3c 4-d 4-d 3c

Kanzonenstrophe.

Inhalt: Frühlingslied mit freudigem Tenor, das die leidvollen Aspekte, wie sie thematisch verwandte Lieder darstellen, ausschließt. Der Liedaufbau ist konventionell: Der zwei­stro­phige Natureingang beschreibt in Str. I die unbelebte, in Str. II die belebte Natur. Der Vogelsang bereitet das Thema der dritten Str., d. i. gemeinschaftlicher Tanz, vor, ebenso die situative Verortung: Schauplatz des Vogelsangs und der Tänzerschar ist der öffentliche Raum (prata (I,1), omni via (II,3), in nemore (II,5)). »Thematik und Motive der ersten drei Strophen von Walthers Mailied haben [...] Pate gestanden für die Str. I–III (Bertelsmeier-Kierst, S. 93). III,7f., salit mater, inter eas sua filia, erinnert an ein Motiv der Sommerlieder Neidharts (vgl. CB/V). Str. IV und V bieten einen Wechsel der Perspektive: Weg von der kollektiven hin zur persönlichen Situation des Sängers. Unter den Frauen befindet sich auch seine Angebetete, deren Vorzüge er, in der ersten Person, preist (Restat una (IV,1)). Der Tanz weckt das Verlangen nach sexueller Befriedigung, die auf Erotik anspielenden Formulierungen ardescunt (II,7) und sub tilia (III,5) werden in Str. V als Beischlafphantasie des Sängers explizit. In CB 151 ist, abweichend von Walthers Mailied, keine Rede von einer abweisenden Haltung der Frau. Da die lateinischen Str. nach der Vorlage der mittelhochdeutschen Str. VI gedichtet wurden, beinhaltet diese die wesentlichen Aspekte der vorherigen Str.: Lobpreis des Maimonats, der Altes verabschiedet und bunte Vielfalt willkommen heißt. Die Tanzsituation in Str. III wird im Streit von Blumen und Klee (VI,6ff.) ironisch wieder aufgenommen: Der Hörer wird an den Streit zwischen Burschen, die um die Gunst ihrer Tanzpartnerinnen buhlen, denken müssen. »In Walther's 51,13 C [...] the contest echoes courtiers' ubiquitous jockeying for preference; in CB 151, the connotation is more physical, even sexual« (Heinen, S. 3).

CB 151 ist aufgrund inhaltlicher und formaler Entsprechungen eng mit CB 165, 168 und 169 verbunden und wird demselben Dichter zugesprochen. Der Liedverbund wird, nach CB 169, Hebet-sidus-Gruppe genannt (vgl. CB/HS, I,2, S. 256). Für die Datierung der Gruppe ergibt sich, da der Dichter Str. von Walther von der Vogelweide und Neidhart verwendet, die Zeit zwischen 1217–1219 und ca. 1230 (Niederschrift des Codex). Das Gedicht Ripollsammlung XVII hat auffällige Parallelen zu CB 151 und kommt als Vorbild in Betracht (vgl. Latzke, S. 191f., CB/V).

Theresa Höfle

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