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Ulrich von Winterstetten, Ich wil allen lu̍ten betu̍ten mis herzen klage
C
C Wint 88 (81)
IC Wint 88 (81) = KLD 59 XXI 1
[ini I|2|rot]ch wil alle#n l{u^i|iu}te#n· #binnenr bet{u^i|iu}te#n· #binnenr m{i|î}s[[3 i¬m{i|î}s~i = i¬mînes~i.]] h#erze#n klage#·
#vn#d / wie gr{o|ô}{#s#s|z}e#n k#vmb#er #binnenr ich t#vmb#er #binnenr n#v trage·,
wie / mich #sorge twi#nget· #binnenr #vn#d #singet #binnenr doch mir der / l{i|î}p·.
#seht, d#c m{#v^o|uo}{#s|z} ich l{i|î}de#n· #binnenr d#vr{h|ch} m{i|î}de#n #binnenr ei#n w{i|î}{b|p}·. /
de#s m{#v^o|uo}{s|z} ich den #i{a|â}mer<<#schri{k|ck}e#n[[2 i¬dem jâmerschricke~i KLD]]
leid#er #vnder/t{e|æ}n{i|e}{g|c} #s{i|î}n·:
ich lige i#n ir mi#nne#n #stri{k|ck}e_|n_,[[??? Reimkonjektur]][[2 i¬minne stricke~i KLD]]
d#c i#st an / mir worde#n #sch{i|î}n·.
#refr %#si kan #sende#n #smerze#n #binnenr {#v|û}{s|z} / h#erze#n #binnenr v#ertr{i|î}be#n #binnenr wol·,
r{o|ô}#se ob alle#n w{i|î}be#n #binnenr ma#n #si ne#n-/nen #sol#·. /
C Wint 89 (82)
IIC Wint 89 (82) = KLD 59 XXI 2
[ini W|2|rot]{a|â}[[2 i¬Swâ~i KLD mit Komma statt Fragezeichen]] i#st n#v d{u^i|iu} #sch{o^e|œ}ne#·? #binnenr ich d{o^e|œ}ne· #binnenr #vn#d[[1 i¬#vn#d~i$ i¬#v~i evtl. gebessert]] n{i|î}ge / ir gar·.[[2 i¬dar~i KLD]]
ich wil ab#er gr{u^e|üe}zen#· #binnenr die #s{u^e|üe}zen· / #binnenr – neme#nt[[2 i¬nemt~i KLD]] war· –
#sch{o|ô}ne mit ge#sange#·, #binnenr #swie[[1 nach i¬#swie~i rätselhafter Strich (Punkt?)]][[3 Der i¬swie~i-Satz kann nach links und rechts gezogen werden.]] la#n-/ge #binnenr ich ir[[2 i¬swiech lange ir~i KLD]] fr{o^e|ö}mde #s{i|î}·,
doch #s{o|ô} h{a|â}t ir #i#vge#nde· #binnenr vil / t#vge#nde; #binnenr d{a|â} b{i|î}·[[3 i¬d{a|â} b{i|î}~i kann nach links und rechts gezogen werden.]]
h{a|â}t #si g_#v^o|{#v^e|üe}_te[[1= mit KLD ]] ein michel wu#n-/der
in de#m h#erzen z'aller #st#vn_de|t_,[[??? Reimkonjektur]]
#vn#d #si doch / vor {#v|û}{s|z} be#s#vnder
mir d#c h#erze h{a|â}t v#erwunt·. /
#refr Si kan #senden#· [refr #etc#abbr·||#smerze#n #binnenr {#v|û}{s|z} / h#erze#n #binnenr v#ertr{i|î}be#n #binnenr wol·, refr]
[refr ||r{o|ô}#se ob alle#n w{i|î}be#n #binnenr ma#n #si ne#n-/nen #sol#·. refr] /
C Wint 90 (83)
IIIC Wint 90 (83) = KLD 59 XXI 3
[ini W|2|rot]enne[[2 i¬Swenne~i KLD]] #s#v{|l}n ir {o^v|ou}ge#n#· #binnenr mir t{o^v|ou}ge#n #binnenr ze bli{k|ck}e / varn·?[[3-2 Die Syntax ist labil: Die Frage ist nur möglich, wenn i¬#vn#d~i konditional (›wenn‹; vgl. BMZ III, S. 186) gelesen wird. Gegen die Konjektur zu i¬swenne~i sprechen allerdings die analogen Fragestrukturen in II,1 und III,6–8.]]
[mut <d> mut][ins #v ins]n#d[[1 i¬#vn#d~i$ i¬#v~i korrigiert aus i¬d~i; Bogen vor i¬#v~i ist zusätzlich expungiert]] d{u^i|iu} #s{#v^e|üe}ze #i#vnge· #binnenr mir #swu#n-/ge #binnenr den arn·
#vn#d mich #v_n|m_bevienge·, #binnenr #s{o|ô} gien-/ge #binnenr mir #sorge hin·.
#seht, #s{o|ô} wolt ich #scheide#n / #binnenr vo#n leide#n #binnenr den #sin·.
w{a|â}[ins fen ins]{a|â}[[1 i¬wafena~i$ i¬fen~i auf Rasur]] d#er liebe#n #st#vnde#·!
we#n-/ne #sol ich die gelebe#n·,
d#c ich vo#n ir r{o|ô}te#m m#v#n-/de·[[2-8 i¬daz si von ihr rôtem munde wolte ein lieplich küssen geben?~i KLD]]
#solte ein lie{b|p}lich k{u^i|ü}#s#se#n neme#n·?
#refr Si kan#· [refr ||#sende#n #smerze#n #binnenr {#v|û}{s|z} / h#erze#n #binnenr v#ertr{i|î}be#n #binnenr wol·, refr]
[refr ||r{o|ô}#se ob alle#n w{i|î}be#n #binnenr ma#n #si ne#n-/nen #sol#·. refr] /

Kommentar

Überlieferung: unikal in C.

Form: Kanzone mit Refrain. Metrisches Schema:

3-a+.1-a+.2b 3-c+.1-c+.1b / 3-d+.1-d+.2e 3-f+.1-f+.1e // 4-g 4h 4-g 4h //R 3-i+.1-i+.1-j+1k / 3-j+3k

Die Form ist aufgrund des Reimreichtums nicht einfach zu beschreiben. Der Ansatz von Binnenreimen begründet sich in folgenden, überwiegend lesepragmatischen Überlegungen: Erstens werden sehr kurze Verszeilen vermieden (bei den Quasi-Schlagreimen), zweitens bilden die Langverse meistenteils syntaktisch sinnvolle Einheiten, drittens scheint es eine Regelmäßigkeit bei den gedoppelten daktylischen (?) Elementen im Versinneren (dritter und vierter Takt) der Langzeilen zu geben (die man natürlich auch behäbig-zweitaktig deuten könnte – der Regularität des Musters täte dies keinen Abbruch), viertens zeigt der Vergleich von V. 1 und 3 mit V. 9, dass der Reimreichtum bei metrischer Identität variabel sein kann, fünftens bewahrt bei II,3 die Langzeilenstruktur durch reguläre Elision das metrische Muster, während es bei Zeilenumbruch gestört wäre (ich). Die Zusammenziehung der Abgesangsverse zu zwei Langzeilen (so KLD) hingegen ließe sich nur über die Annahme grober Symmetrie der Verslängen begründen.

Angesichts der Komplexität des »rhythmisch ungemein reizvolle[n] Ton[s]« (von Kraus, S. 586) ist es erstaunlich, dass das oben gegebene Schema nur selten und punktuell gestört ist: In II,4 wäre (mit KLD) nemt zu erwarten, desgleichen in II,7 jugent vil tugent. Die Reimstörung in III,6. 8 sind nur über energisches Eingreifen (siehe den Apparat) heilbar.

Inhalt: Nach zwei minneklageartigen Strophen mit allerlei topischem Motivmaterial (Sorgen-Singen, Minnebande, Verwundung des Herzens) artikuliert das Ich in Strophe III die Hoffnung auf Blick, Umarmung und Kuss. Dieses heitere Finale wird vom Refrain vorweggenommen, es mag mit der heiter-verspielten Form des Liedes korrelieren.

Florian Kragl

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