
Überlieferung: Das Lied ist unikal in C überliefert.
Form: .3-a .3b .3-a .3b / .3-c .3b .3-c .3b // .4d .4d .4d
Stollenstrophe mit durchgehendem Auftakt und dreiversigem, monorimen Abgesang. Die Stollen des Aufgesangs lassen sich ihrerseits in zwei gleiche Hälften gliedern, SMS setzt daher vier Stollen. Heusler weist auf die Nähe der Strophe zum ›Hildebrandston‹ hin (§ 757), ein Unterschied besteht jedoch in der engen Verzahnung der Stollen durch den durchgehenden b-Reim. Reimreponsion besteht auch beim b-Reim der Str. I und II. Die eigentlich gespalten männlichen Kadenzen in III,5/7 (sagen : vertragen) werden als weibliche aufgefasst, siehe Autorkommentar.
Inhalt: Herbstlied.
Eines von drei Ernteliedern Hadlaubs (vgl. C Hadl 99–101 und C Hadl 162–164). Das Lied steht in der Tradition Steinmars und Neidharts. Die Hervorhebung des sonst im Minnesang seltenen Wortes erne (im ersten Vers im Reim), verortet es nicht nur sogleich jahreszeitlich, sondern auch sozial in der bäuerlichen Sphäre. Das Lied ist voll von sexuellen Anspielungen und Zweideutigkeiten, angefangen in Str. I, wo das Geschehen in der schu̍re (I,10) bereits angedeutet wird (zum Motiv vgl. Lang, S. 52). Str. II richtet sich dann dezidiert an die jungen Männer, die als stolze knechte (II,5) angesprochen werden – das Sänger-Ich geriert sich so in der Rolle des erfahreneren Ratgebers und betont, wie licht (II,4 u. 11) hier der Minnelohn zu erlangen sei. Str. III entwirft sexuelle Erfolge, die das Liebesleid beenden.
Trotz der bäuerlichen Sphäre wahrt Hadlaub gegenüber der Neidhart’schen Dörper-Lyrik einen gehobenen Ton. Renk sieht daher gerade in Str. II eine Distanzierung des Sänger-Ichs von der allzu leicht erreichbaren Freude (S. 155).
Björn Reich
| C Hadl 91 = SMS 30 22 IZitieren | |||
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 375ra | |||
| I | |||
| C Hadl 92 = SMS 30 22 IIZitieren | |||
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 375rb | |||
| II | |||
| C Hadl 93 = SMS 30 22 IIIZitieren | |||
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 375rb | |||
| III | |||