
Überlieferung: Das Lied ist unikal in C überliefert.
Form: .5-a .4b / .5-a .4b // .4c .4c .4c
Stollenstrophe mit durchgängigem Auftakt und monorimer Terzine als Abgesang.
Inhalt: Minneklage.
Das Sänger-Ich klagt die Minne an, die als Lehensherrin ihrem dienestman (II,2) weder ihrer Rechtsverpflichtung (recht; I,1) noch allgemeiner Barmherzigkeit (guͤte; I,1) nachkommt. Sie lohnt nicht nach Verdienst (I,7). In Str. II wird konkretisiert, wer den Lohn erhalten sollte, nämlich derjenige, der hoflich kan werben (II,1). Stattdessen sind es aber die ungesalzen man (II,6), denen der Lohn zuteilwird.
Die dritte Strophe setzt mit einer Warum-Frage (III,1f.) ein, gefolgt von der Verfluchung der Minne, die den zuvor eher sachlich-nüchternen Tonfall nun emotionalisiert (dagegen Lang, S. 97, die das Lied als »ohne jede persönliche Leidenschaft« bezeichnet), und die letztlich nur dadurch beantwortet werden kann, dass die Minne hab niender rechte sinne (III,3), also gleichsam verrückt oder unzurechnungsfähig sei, ein Gedanke, der sich ähnlich, wenngleich weniger explizit, etwa auch bei Walther (C Wa 208) findet. Erst im letzten Vers des Liedes bekennt das Sänger-Ich, dem durch die Minne helfe (III,7) verweigert wird, seine eigene Betroffenheit.
Björn Reich
| C Hadl 170 (169) = SMS 30 45 IZitieren | |||
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 378rb | |||
| I | |||
| C Hadl 171 (170) = SMS 30 45 IIZitieren | |||
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 378va | |||
| II | |||
| C Hadl 172 (171) = SMS 30 45 IIIZitieren | |||
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 378va | |||
| III | |||