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Tannhäuser, ›Ich lobe ein wib, du̍ ist noch besser danne guͦt‹ (C Tannh 4 = HMS II 90 IV; Siebert IV)
C Tannh 4
C Tannh 4= HMS II 90 IV; Siebert IV
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Kommentar

Überlieferung: Der Leich ist unikal in C überliefert.

Form: Vgl. Leichschema

Der Leich nach dem Estampie-Typ (Kuhn, S. 110) zeichnet sich metrisch durch eine Regelmäßigkeit aus, die auf die Wiederholung und, besonders in der zweiten Hälfte, auch subtiler Variation von anfangs etablierten Grundtypen aus, die in aller Regel paarig auftauchen. Kuhn sieht darin eine »Neigung zur Sequenz der Adam-Stufe« (Kuhn, S. 113). Komplexere Versikeltypen tauchen selten, und wenn überhaupt im zweiten Teil des Leichs auf (z. B. Typ G), wobei diese immer wieder von einfachen Basistypen (D oder F) gerahmt werden. Den Ansatz von Binnenreimen legen an einzelnen Stellen die Reimpunkte der Handschrift nahe. Der formalen Grenze zwischen Vers 64 und 65 entspricht auch eine inhaltliche.

Die Auftakte sind vor allem am Beginn des Leichs recht streng geregelt, variieren dann aber stärker.

Inhalt: Leich, in dem der Ich-Sprecher gleich zu Beginn einen Frauenpreis ankündigt und diesen auch ganz konventionell beginnt (V. 1–4), bevor er zu einem Katalog von 23 Frauen- und 21 Männergestalten überleitet, die als Vergleichsmaßstäbe herangezogen werden, um die allumfassenden Qualitäten seiner Dame zu verdeutlichen (V. 5–64). Dabei lassen sich nicht alle genannten Figuren entschlüsseln oder in andere Texte zurückverfolgen (z. B. Porhtram, V. 55 oder Sarmena, V. 33) und auch einzelne Aussagen zu bekannten Figuren stimmen nicht mit dem überein, was andernorts tradiert ist. Nach dem unvermittelten Abbruch des Kataloges setzt das Sänger-Ich den eigentlichen Frauenpreis vom Beginn mit einer Schönheitsbeschreibung nach dem Schema a capite ad calcem fort, die aber auch immer wieder den detaillierten Blick von der Minnedame abwendet und topische Frauenpreisphrasen einführt (V. 65–102). Der ausführliche Tanzteil konzentriert sich zunächst auf den Tanz zwischen Sprecher-Ich und Minnedame (V. 103–134), ist aber auch weiter durchzogen von Frauenpreiselementen. In der zweiten Hälfte tauchen weitere Frauen beim Tanz auf, wobei deren Namen und die Schilderung des Tanzgeschehens an dörperliche Szenerien, etwa bei Neidhart, erinnern (V. 135–148). Nachdem das Sprecher-Ich eine Drohung an jeden ausspricht, der der allgemeinen Hochstimmung ein Ende bereiten sollte (V. 149–156), tritt diese Befürchtung sogleich durch das Reißen der Seite des Geigers ein, mit dem der Leich endet (V. 157–160).

Manuel Mildner

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