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Walther von der Vogelweide, ›Mir tuͦt einer slahte wille‹
C Wa 394 (390 [406])
IC Wa 394 (390 [406]) = L 113,31
Überlieferung: Heidelberg, UB, cpg 848, fol. 143ra
C Wa 395 (391 [407])
IIC Wa 395 (391 [407]) = L 113,37
Überlieferung: Heidelberg, UB, cpg 848, fol. 143ra
C Wa 396 (392 [408])
IIIC Wa 396 (392 [408]) = L 114,5
Überlieferung: Heidelberg, UB, cpg 848, fol. 143ra
C Wa 397 (393 [409])
IVC Wa 397 (393 [409]) = L 114,11
Überlieferung: Heidelberg, UB, cpg 848, fol. 143rb
C Wa 398 (394 [410])
VC Wa 398 (394 [410]) = L 114,17
Überlieferung: Heidelberg, UB, cpg 848, fol. 143rb

Kommentar

Überlieferung: Das fünf­stro­phige Lied ist in fünf Hss. überliefert, zweimal unter dem Namen Walthers. In O1 fehlt die dritte Strophe, die zweite ist stark verstümmelt, in f fehlt die Eingangsstrophe. Ansonsten ist die Textanordnung ebenso wie der Textbestand in allen Zeugen weitgehend identisch.

Form: 4-a 5b / 4-a 5b // 4c 7c

Es liegen sechsversige Stollen­stro­phen vor; Kasten ordnet zu siebenversigen Strophen mit Waisenterzine (4c 3x 4c). Vor allem die letzte Langzeile neigt in den verschiedenen Hs. zu Unregelmäßigkeiten (meist wird hier nach U gebessert), Bauschke setzt daher acht Hebungen für den letzten Vers an. Bisweilen (etwa in I,4 oder III,4) kommen Auftakte vor.

Der Strophenbau ist identisch mit Reinmars C Reinm 134–139 et al., allerdings ohne inhaltliche Parallelen) und ähnlich wie Walthers C Wa 68–72.

Inhalt: Frauenmonolog/Mädchenlied.

Das weibliche Sprecher-Ich ist gefangen in seiner Sehnsucht nach dem Geliebten, wohlwissend, dass die Erfüllung seiner Wünsche, die sie selbst herbeisehnt, Leid nach sich zieht. Eine drohende gesellschaftliche Verurteilung steht dem eigenen privaten Minneleid gegenüber. Die Problematik wird in jeder Strophe neu ausgelotet: Das Sprecher-Ich ruft sich selbst zur Tugend (III,6) und trägt den Geliebten doch im Herzen (V,4), so dass jeder gute Vorsatz, der Liebe zu widerstehen, immer wieder von neuem scheitert (I,6). Das Lied variiert immer wieder dieselben Themen und folgt damit bewusst keiner klaren narrativ angelegten Struktur, sondern spiegelt das Kreisen der Gedanken um den Geliebten wider.

Aufgrund der Tongleichheit zu Reinmars Lied C Reinm 134–139, sowie der hier in V,6 vorkommenden Schachmetaphorik, ist das Lied in der Forschung häufig als Teil der Reinmar-Walther-Fehde interpretiert worden (vgl. bes. Bauschke, S. 77–87). Bisweilen gilt es als Parodie auf ›psychologisch differenziertere[]‹ Frauenlieder (etwa Kasten, S. 976).

Björn Reich

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