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Der Hardegger, ›Genade, ku̍niginne, muͦter al der kristenheit‹
C Hard 2
IIC Hard 2 = SMS 23 1 III; RSM ¹Hardg/1/2
Überlieferung: Heidelberg, UB, cpg 848, fol. 290va

Kommentar

Überlieferung: Vier Strophen gleichen Tons eröffnen in C das Korpus des von Wengen. Die dritte Strophe findet sich zudem, mit geringen Abweichungen im Textbestand, als Einzelstrophe im Korpus des Hardeggers. Sie bildet zugleich die Schnittstelle zur Stolle-Überlieferung: Als ›Parallelfassung zweiten Grades‹ (vgl. SMS, S. XVIII) führt k einen drei­stro­phigen Marienpreis (mit Melodie), dessen letzte Strophe, mit einigen Abweichungen im Textbestand, der dritten Strophe der C-Fassung entspricht.

Mit starken Abweichungen im Textbestand findet sich jene Strophe erneut als Einzelstrophe im Stolle-Korpus in J (J Stolle 15), wobei ihr zehnter Vers etwa k Stolle/Alment 2, V. 9 entspricht. Den Abgesang jener vierfach überlieferten Strophe greift auch die Einzelstrophe auf, die in J das Stolle-Korpus eröffnet (mit Melodie) und deren Aufgesang wiederum Parallelen zu der in k zweiten Strophe hat. Seydel, S. 59, vermutet, dass an J Stolle 1 »der falsche Abgesang« von J Stolle 15 angefügt wurde. Ähnlich auch Baldzuhn, der J Stolle 1 aus einer fehlerhaften Abschrift von k Stolle/Alment 2 3 herleitet: »Ein Abgesang und ein Aufgesang wurden übersprungen« (S. 387).

Form: .7a .7a .4b .5-c / .7d .7d .4b .5-c // .4e .5-f .4e .7-f .7g .4x+.5g

Die vierzehnversigen Stollen­stro­phen stehen in Stolles Alment (entspricht Hardegger, Ton I). In k III ist der e-Reim gestört. In J Stolle 15 greift der g-Reim den a-Reim auf. Die Waise ist an Reime angegliedert in k Stolle/Alment 1 (b-Reim) sowie C Weng 2 (d-Reim). Kein Auftakt in C Weng 3 / C Hard 2 / k Stolle/Alment 3 / J Stolle 1 / J Stolle 15, V. 12 sowie in J Stolle 1, V. 9.11.

Inhalt:

Fassung C: Papstlob, Kaiserschelte, Marienlob und Zeitklage.

Die erste Strophe ermahnt das Publikum, Geistliche sowie Laien, zum Gehorsam gegenüber dem Papst: Er hat seine Macht von Gott und verkündet Gottes Willen. Die Christenheit, die den Papst seiner Rechte beraubt, ist verloren. Die Austauschbarkeit der pronominalen Bezüge unterstützt dabei die enge Verbindung von Gott und Papst.

Die zweite Strophe spielt auf die Zwei-Schwerter-Lehre an: Während der Papst die geistliche Macht inne hat, übt der vogt von Rome (II,4) die weltliche Macht aus. Doch sein Versagen veranlasst den Sprecher, ihn aufzufordern, die Ordnung im Reich wiederherzustellen, sodass er hie unde dort (II,14) die Krone tragen werde. Mit dem vogt ist vielleicht Friedrich II. gemeint, dem einer der Gegenkönige, Heinrich Raspe oder Wilhelm von Holland, gegenübergestellt wird (vgl. z. B. RSM V, S. 546).

In der dritten Strophe (auch als Einzelstrophe unter Hardegger) ruft der Sprecher Maria als Himmelskönigin und Mutter der Christenheit an. Sie hilft allen, die sie um Hilfe bitten, und ihre Hilfe ist besser als alles, was in den Büchern steht. Dass der Sprecher sie lobt, möge sie ihm zugute kommen lassen.

Die vierte Strophe ruft das Motiv vom mundus inversus auf, verbunden mit einer laudatio temporis acti: Anders als zu Zeiten von König Artus werden heute die Menschen nicht mehr nach ihrer Gesinnung geehrt, sondern wir ehren die richen boͤsen (IV,10). So appelliert der Sprecher an die Ritter, sich solchen Herren gegenüber angemessen zu verhalten.

Besonderheiten der Fassungen k und J: Marienpreis und Bittgesuche.

Anders als in C verbinden sich in k und J nicht Gebet und Zeitkritik miteinander, sondern das Marienlob steht ganz im Zentrum. So bittet der Sprecher im drei­stro­phigen Bar in k Gott um die Vergebung seiner Sünden, preist Maria als Mutter Gottes und als Himmelskönigin und ersucht sie um Hilfe und Fürsprache. Die Struktur der Strophen teilt sich in etwa in Lobpreisungen im Aufgesang, Bittgesuche im Abgesang. Auch die Strophen in J bieten einen Marienpreis, wobei beide Strophen, wie k III, mit der Bitte an Maria schließen, an ihrem Lob teilzuhaben und ›uns‹ zur wahren Minne zu verhelfen (die C-Fassung des Abgesangs bezieht sich dagegen anstatt auf die Gemeinschaft der Gläubigen stärker auf den Einzelnen). Auffällig ist, dass einzig J Stolle 15 Maria im die Strophe abschließenden Bittteil ›ihrzt‹ (vgl. dazu Wachinger, S. 135). Die Strophe k II, deren Aufgesang mit gewisser Varianz im Textbestand J Stolle 1 entspricht, schließt mit einem unikal überlieferten Abgesang, in dem u. a. der Dienstgedanke in den Vordergrund rückt (vgl. k Stolle/Alment 2, V. 12).

Sandra Hofert

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