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Walther von der Vogelweide, ›Ir rainu̍ wip, ir werden man‹
B Wa 103
IB Wa 103 = L 66,21
Überlieferung: Stuttgart, LB, HB XIII 1, pag. 167
B Wa 104
IIB Wa 104 = L 66,33
Überlieferung: Stuttgart, LB, HB XIII 1, pag. 167
B Wa 105
IIIB Wa 105 = L 67,8
Überlieferung: Stuttgart, LB, HB XIII 1, pag. 168
B Wa 106
IVB Wa 106 = L 67,20
Überlieferung: Stuttgart, LB, HB XIII 1, pag. 168
B Wa 107
VB Wa 107 = L 67,32
Überlieferung: Stuttgart, LB, HB XIII 1, pag. 168

Kommentar

Überlieferung: Das fünf­stro­phige Lied, der sog. ›Alterston‹, ist in drei Hs. und einem Fragment überliefert, wobei es erst seit von Kraus als ein zusammengehöriges Lied wahrgenommen wird. Der Strophenbestand ist in allen Hs. identisch, die Reihenfolge variiert jedoch, wobei BC einander entsprechen. A beginnt nicht mit der Anrede der reinen wip und werden man, sondern setzt mit Diu sêle müeze wol gevarn ein, damit ist das Lied hier von Anfang stärker auf die Opposition von Diesseits und Jenseits ausgerichtet.

Form: 1. Periode: 4a 4b 4b 4a

            2. Periode: 1c+6d 4c / 1e+6d 4e

            3. Periode: 4f 4g 4g 4f

Es liegen Perioden­stro­phen vor, wobei in der ersten und dritten Periode klassisch umschließender Reim auftritt, in der mittleren Periode eine kunstvollere Version mit Binnenreimen gewählt wurde (die allerdings in allen Handschriften teilweise gestört sind). Teilweise finden sich dreisilbige Takte (etwa in I,6) oder Auftakte (etwa I,10).

Inhalt: Altersklage.

Das Lied gilt als ›eine der bedeutendsten Schöpfungen der mhd. Lyrik‹ (Schweikle, S. 768), dessen Bedeutung kaum zu überschätzen sei Klimczak, S. 149). In der Reihenfolge BC ergibt sich folgendes Bild: Zunächst wendet sich das Sänger-Ich direkt an das Publikum (Ir reiniu wip, ir werden man – I,1) und klagt über seine altersbedingt prekäre Stellung: Nachdem er vierzig Jahre gesungen habe, erhalte er nun keinen Anteil mehr an der höfischen Freude. Str. II dient sowohl der Rück- als auch der Vorausschau: Mit unverzagter arebeit (II,3) habe er gedient und geworben – und gelte daher trotz allem weiterhin als werde (II,5). Das gelingende Leben wird daran gemessen, ob man die Würde auch am Lebensende zu bewahren wisse und bis zuletzt das Richtige tue. In Str. III erfolgt die Abrechnung mit der Welt, deren Lohn gerade jetzt im Alter in Spott und Hohn umschlage (III,8). Damit ist die Überleitung zu Str. IV gegeben, in der der lîp gemahnt wird, von der falschen weltlichen Minne zu lassen (IV,9) und nach dem Seelenheil zu streben. Schwieriger zu deuten (und vielfach unterschiedlich interpretiert) ist die letzte Strophe, in der nun ein bilde angesprochen und sein weltlicher Verfall geschildert wird.

Björn Reich

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