Die Einstellungen der Textansicht wurden gespeichert.

Sie bleiben auf diesem Rechner und in diesem Browser als Standardeinstellungen gültig, bis Sie sie mit anderen Einstellungen überschreiben.
Ulrich von Liechtenstein, Ir edelen frowen, ir vil reine minnechlichiu wip
L Liecht 96
IL Liecht 96 = KLD 58 XX 1
L Liecht 97
IIL Liecht 97 = KLD 58 XX 2
L Liecht 98
IIIL Liecht 98 = KLD 58 XX 3
L Liecht 99
IVL Liecht 99 = KLD 58 XX 4
L Liecht 100
VL Liecht 100 = KLD 58 XX 5
L Liecht 101
VIL Liecht 101 = KLD 58 XX 6
L Liecht 102
VIIL Liecht 102 = KLD XX 7

Kommentar

Überlieferung: C und L überliefern die sieben Strophen parallel.

Form: .7a .7a .7b 4x+3b

Braun, S. 407, sieht die Strophenform als Grenzfall der Reienstrophe. Der Hebungsprall im vierten Vers zeigt Zäsur an. Unregelmäßigkeiten sind fehlender Hebungsprall durch Füllwort in C IV,4 und in C II,4 ein gegenüber L verkürzter Anvers. III,1 bleibt ohne Auftakt, ebenso C V,2. Kraus bricht den vierten Vers zu zwei Kurzversen um.

Inhalt: Das Ich stellt die Dame in dieser Minneklage mit juristischen Termini als Räuberin dar und deutet an, dass es sehr schlecht über sie sprechen könnte (vgl. VIf.). Diese im Minnesang nicht unbekannte Drohung ist im ›Frauendienst‹ dadurch motiviert, dass die Dame nach Gewährung des Minnelohns eine nicht näher benannte untât begeht, wegen der Ulrich den Dienst an ihr aufgibt (vgl. Bechstein II, S. 130, Str. 1365). Das Lied ordnet sich im ›Frauendient‹ einer Reihe von scheltwîsen Ulrichs und damit einem neuen Liedtypus ein (vgl. Linden, S. 204).

Das Ich wendet sich mit Liedbeginn an die edeln froͮwen und die vil reinen minneklichen wib (C I,1) und klagt, die Geliebte habe es seiner vröide beraubt. Sie missachte seinen Minnedienst, der doch Grund für ihr hohe[s] lob von manigen zungen sei (C II,3). III und IV führen das Raubmotiv weiter aus. So verbildlicht III das Verhalten der Geliebten mit zweimaligem schach unde roͮb (C III,1f.) und dem Verheeren der vröide als Kriegshandlung, während IV die geraubten Tage als unersetzbar darstellt. V führt andeutungsweise die Drohung ein, Schlechtes zu reden, indem das Ich gerade hervorhebt, dass es den Schmerz toͮgenliche trage (C V,2), was es in VI mit seiner Hoffnung begründet; würde es jedoch sein Schweigen brechen, müsste die Dame schamrot werden. Einer Schlichtung wäre das Ich nicht abgeneigt, um die Dame nicht durch schlechte Rede in Verruf zu bringen (vgl. VII), gleichzeitig hat »die Dame ihm nichts mehr zu bieten« (Linden, S. 201).

Simone Leidinger

▼ Drucken / PDF
Hinweise zum Druck
Bitte reduzieren Sie zuvor die Anzahl der Spalten!
Formatwahl: