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Dietmar von Aist, ›Senender fru̍ndinne botte, nu sage ir, was ich lide‹ (C 4 5 6)Lied zurückLied vorDrucker

Kommentar

Überlieferung: Sowohl C als auch B überliefern das Lied unter Dietmar von Aist. Die Varianten scheinen hauptsächlich formal begründet zu sein.

Form:

(.)3(4)(-)+(.)3(4)-a  (.)3(4)+(.)3(4)-a  4(-)b  .4(-)b  .4c  (.)5c

Die An- und Abverse der Langverse können drei- oder vierhebig realisiert werden; die Hebungszahl variiert je nach Strophe und je nach Einschätzung der historisch wahrscheinlichen Möglichkeit der Versglättung (metrisch möglichst einheitliche und alternierende Verse edieren Bartsch sowie von Kraus, vgl. von Kraus).

Die paargereimte Strophenform kombiniert zwei Langverse mit vier Kurzversen. Syntaktisch entspricht ein Paarreim meist einem Satz. B unterteilt in allen Strophen den zweiten Langvers durch einen Reimpunkt; in der dritten Strophe wird durch den Reimpunkt der Satzbau hervorgehoben. In I,1-4 und III,1f. bringt C anstelle der Assonanzen in B reine Reime (zum Vorgehen des C-Schreibers vgl. Henkes-Zin, S. 181). Gehäuft treten die klanglich ähnlichen Reim-Endungen ›îbe‹, ›îde‹, ›inne‹, ›ingen‹, ›în‹, ›il‹ auf (vgl. Popper, S. 150-153), was in B I alle drei Reime betrifft, in B II zwei, in B III nur den ersten Reim. Die Kadenzabfolge der ersten Strophe – zweimal weiblich bzw. klingend, einmal männlich – formt in C auch die Strophen II und III, es entfällt zudem der gleiche Reim in B I,5f. und B II,3f. (zum Reim vgl. Ipsen, S. 347). Interessant ist in II,4 die in C und B voneinander abweichende Wortwahl: Hier geht der veränderte Reim mit einer Satzumstellung einher, bei der mit erkumet (B) und er kumt (C) semantisch verwandte Wörter eine durchaus verschiedene Aussage transportieren.

Inhalt: Die ersten beiden Strophen können als Wechsel aufeinander bezogen werden. Beide richten sich an einen Boten, in der ersten Strophe spricht eine männliche Stimme, in der zweiten eine weibliche. Die Verse 1 und 2 sind parallel gebaut (Anrede des Boten, Gefühle des Geliebten), auch die Verse 3 bis 6 korrespondieren (vgl. Ittenbach, S. 156f.), z. B. durch die Wortresponsion herze (I,6 und II,4), verstärkt durch den wiederaufgenommenen Reim in B.

Die dritte Strophe kann thematisch auf den Wechsel bezogen werden (vgl. Köhler, S. 90), ihre Gestaltung hebt sich jedoch deutlich von der des Wechsels ab (vgl. Rathke, S. 35: ein eigenes »Liedchen«). Anders als die thematisch ähnliche erste Strophe des Reinmar-/Walther-Lieds A Wa 24 et al., in welcher das weibliche Ich die Möglichkeit, sich bei einer in Teilen stets missgünstigen Gesellschaft für ein richtiges Verhalten (wol tuon) entscheiden zu können, an wisheit unde sin bindet, verneint das Ich der Dietmar-Strophe diese Möglichkeit von vornherein und setzt ihr die Weisheit des Herzens entgegen: nur swaches herzen tumbe (III,4) könne es einer Frau zum Vorwurf machen, es nicht allen recht machen zu können. Die sentenzhaften Züge der Strophe sind in V. 2 und 5f. mit persönlichen Ich-Aussagen verbunden; wer spricht – ob zum Beispiel der stæte Minnediener oder eine weibliche Stimme –, bleibt bei Dietmar dennoch unsicher. So wurde die Strophe sowohl als Männerstrophe (vgl. Lachmann; Botenstrophe: vgl. Holznagel, S. 39, Anm. 9) als auch als Frauenstrophe (vgl. Scherer, S. 43) gedeutet.

Simone Leidinger

 C Dietm 4 = MF 32,13Zitieren
Digitalisat
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 64va
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 I
 C Dietm 5 = MF 32,21Zitieren
Digitalisat
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 64va
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 II
 C Dietm 6 = MF 33,7Zitieren
Digitalisat
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 64va
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 III
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