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Niune, ›Nu jarlang stet vil hoh min muͦt. ich horte den suͤssen sang‹ (C 2 3) DruckerTEI Icon

Kommentar

Überlieferung: Das zwei­stro­phige Lied ist in A und C unter Niune, in C außerdem unter Kol von Niunzen überliefert. Die Autorschaft kommt wohl Letzterem zu (vgl. dazu den Kommentar zu Autor und Überlieferung).

Form:

I: .4a+.3b .4+.3a / .4+.3b .4+.3a // 4c+.3d .4c+.3d .4+.3d.

I,3 ist überfüllt.

II: .4+.3a .4+.3a / .4b+3c .4b+.3c // .4d+.3e .4d+.3e 4+.3d (versuͤnet/versuͦnet in V. 7 lies versuͤnt/versuͦnt).

Weder der Strophen- noch der Versbau ist eindeutig zu bestimmen: Auffällig ist, dass beide Strophen aus metrisch identischen Versen bestehen; das Reimschema ihrer Aufgesänge wechselt, teils sind die Reime nur assonierend (I,1.3; II,3.4). Trotzdem sprechen die Triaden des zweiten Teils, die über Responsionsreime verknüpft sind (I,6.7; II,6.7), dafür, einen stolligen Bau zu veranschlagen (so auch {Klein 2010 # 116), S. 535f.). Auch der Versumbruch bleibt zu diskutieren: Ansetzen ließen sich sowohl kurze Verse ohne geregeltes Reimschema als auch Langverse mit Zäsurreimen in wechselnder Position. Für Letztere spricht zumindest die handschriftliche Interpunktion in A, die mehrheitlich lange Verse markiert. Die Setzung der Reimpunkte in C dagegen ist insbesondere in der Niune zugeschriebenen Version inkonsequent.

Inhalt: Die beiden Strophen aktualisieren Motive und rhetorische Mittel der romanischen und mittellateinischen Pastourellentradition (ausführlich dazu Brinkmann, S. 154–161): Thematischer Fluchtpunkt ist die Verführung einer maget (II,4) in der als locus amœnus inszenierten freien Natur (Str. II). Vorbereitet wird der Liebesakt durch einen Werbedialog, in welchem die Avancen des knappe[n] (I,5) an der Sorge des Mädchens, von der Mutter gestraft zu werden (I,7), zu scheitern scheinen. Für die Bildsprache des Liedes »konstitutiv ist das Spiel mit der erotischen Metaphorik« (Klein, S. 536): cranz (I,3) und dorn (I,5 u. II,7) können – sexualisiert – als Deflorations- bzw. Phallusmetapher, zugleich jedoch – »rekonkretisiert« (ebd.) – als Elemente der Naturbeschreibung verstanden werden (vgl. dazu mit Verweisen auf ähnliche Strategien in den Carmina Burana Brinkmann, S. 158).

Stephanie Seidl

 C Niune 2 (1) = KLD 29 I 1Zitieren
Digitalisat
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 319vb
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 I
 
 C Niune 3 (2) = KLD 29 I 2Zitieren
Digitalisat
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 319vb
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 II
 
 
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