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Heinrich von Rugge, ›Ich was vil ungewon‹
C Rugge 9
IC Rugge 9 = MF 102,1
C Rugge 10
IIC Rugge 10 = MF 102,14

Kommentar

Überlieferung: Das zwei­stro­phige Lied ist unikal im Rugge-Korpus in C überliefert. Der Strophenzusammenhang ist umstritten (vgl. MF/MT im Apparat). MF/MT rücken die Strophen voneinander ab.

Form: .3a .3b .3c .3d / .3a .3b .3c .3d // .3d .4e .6e .6f .5f

Es liegen dreizehnversige Stollen­stro­phen mit angereimtem Abgesang vor (alternativ: V. 1–8 in vier Versen mit Binnenreimen, so MF/MT). In II ist der d-Reim in V. 4 gestört. Kein Auftakt in II,4.

Inhalt: Minne- und Weltklage.

Str. I: Ein ungemacher gruͦs (I,6) bereitet dem von der minne bant (I,3) gefesselten Sprecher Sorgen. Nie waren ihm Seele und Leib lieber als eine Frau, der er gleichsam lieb war – das hat sie nun gar verkêrt (I,13).

Str. II: Auf ein (an weltlichen Werten orientertes) Leben hat der Sprecher für Gott verzichtet. Der Mensch soll Christus seine Opfertat lonen (II,7), indem er sich nicht der Welt, sondern Gott hingibt (Motiv der imitatio Christi): Von irdischen Ländereien bleiben schließlich nur sieben Fuß (im Grab). Auf besseren Lohn richtet der Sprecher seine Gedanken.

Die Weltabsage der zweiten Strophe »läßt sich durchaus als Folge der Minneabsage deuten (weil die Frau sich dem Sprecher entzogen hat, hält diesen nichts mehr in der Welt [...])« (Kasten, S. 703). Rudolph vermutet eine Parallelisierung des irdischen Reichtums mit der sexuellen Liebe und sieht in der Abwertung der Diesseitsbezogenheit »eine Aufwertung der Minne in ihrer selbstlosen Form« (S. 119). Gleichzeitig erkennt er aber auch eine Abwertung des minnenden Ichs, dessen Position sich »als defizitär gegenüber der eines Ich [erweist, S. H.], das aus religiöser Motivation ûf besser lôn ausgerichtet ist« (S. 120). Zapf liest die Strophen als »Kreuzlied« (Sp. 118); Schweikle spricht von einem deutlich werdenden Streben »weg von materieller Verstrickung hin zum Heil des Kreuzes« (Sp. 873) (ähnlich auch Brinkmann, S. 521f., sowie Schmidt, S. 24f.). Kritisch gegenüber der Zuweisung des Liedes bzw. der zweiten Strophe zum Kreuzzungskontext äußert sich Rudolph, S. 116f.

Sandra Hofert

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