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Gottfried von Neifen, ›We, was wunders lit an wiben‹ (C 92 93 94 95) Lied zurückLied vorDruckerTEI Icon

Kommentar

Überlieferung: C führt ein vier­strophiges Lied (C Neif 92–95), anschließend ist für eine Strophe Raum gelassen. C Neif 93 ist unikal überliefert, die drei übrigen Strophen übermittelt auch das ›Berner Hausbuch‹ P₁ mitsamt einer hier unikalen Strophe P₁ Namenl 25. P₁ unterbricht (oder dehnt?) den Tonzusammenhang der vier Strophen durch Einfügung einer tonähnlichen Strophe (P₁ Namenl 26), die im Liedzusammenhang von C Neif 110–112 parallel überliefert ist.

de Jong und von Kraus stellen die C-Strophen mit P₁ Namenl 25 zu einem fünf­strophigen Lied zusammen. Zum Umgang der früheren Forschung mit der Überlieferungsvarianz vgl. de Jong, S. 96.

Form: 4-a 4-a 4b / 4-c 4-c 4b // 4d 4e 4d .4x .4e

Gleichversige Strophenformen machen ca. die Hälfte des Gottfried-Korpus aus. Zur Gruppe der vierhebigen Strophenformen mit Dreivers-Stollen vgl. Kuhn, S. 47f.

Inhalt: Die sehr allgemein gehaltene Minneklage führt in P₁ vom Natureingang (I) über ein Lob der Liebeseinheit (II) zu zwei Strophen, die durch die Anapher Minne klanglich durchformt sind, dabei aber thematisch unterschiedliche Schwerpunkte setzen.

Der Natureingang benennt im Aufgesang die winterlichen Naturveränderungen, während das Ich im Abgesang ein ander not (P₁ I,8) beklagt, nämlich seinen Liebeskummer: Es sehnt sich mehr nach Liebe als nach den lieben rosen rot (P₁ I,11). Str. P₁ II thematisiert allgemein die Gegenseitigkeit der Liebe. Der gedankliche Bogen der Strophe führt vom senden herzen (P₁ II,3) über das Motiv des freudespendenden Blicks in die Augen der Geliebten (vgl. P₁ II,4–6) zur Liebeseinheit, die als Verstrickung der Herzen durch die personifizierte Minne verbildlicht ist (vgl. P₁ II,10). stete truwe (P₁ II,7) fordert das Ich in P₁ dabei von den Frauen (oder auch von beiden Geliebten), während die Parallelüberlieferung (C I,7) sie bei den Männern ansetzt. P₁ III ist gegliedert durch die anaphorische Anrede der Minne in den ersten beiden Versen beider Stollen und im Mittelvers des Abgesangs. Neben dem Klang fällt die emotive Funktion der rhetorischen Fragen und der topischen Sprachlosigkeit des Ichs im Angesicht der Geliebten (vgl. P₁ III,9–11) auf. Nach dem Einschub der nur tonähnlichen Strophe P₁ Namenl 26 folgt eine vierte Strophe des Lieds, die ebenfalls mit zahlreichen Anreden an die Minne durchsetzt ist. Lobt das Ich in P₁ III die Geliebte und ordnet sich ihrer Macht unter, so nimmt in P₁ IV ihren Platz in dieser Hinsicht die Minne ein.

In C sind vier Strophen thematisch gemischt: Liebeseinheit (I = P₁ II) und Naturstrophe (III = P₁ I) wechseln mit zwei Strophen, die durch wiederholte Anreden am Versanfang klanglich strukturiert sind, nämlich einmal einem allgemeinen Frauenlob (II, unikal, Anapher wip) und einmal dem Lob der Minne (IV = P₁ IV).

Simone Leidinger

 C Neif 92 = KLD 15 XXII 2Zitieren
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Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 37ra
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 I
 
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Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 37ra
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 II
 
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Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 37ra
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 III
 
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Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 37ra
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 IV
 
 
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