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Reinmar, ›Lieber botte, nu wirbe also‹ (C 118 119 120 121) Lied vorDruckerTEI Icon

Kommentar

Überlieferung: In E ist das Lied mit fünf Strophen unter h(er) reymar überliefert; die gleichen Strophen (mit leichten Abweichungen im Textbestand) finden sich auch in M₁, wobei dort die letzten beiden Strophen in ihrer Reihenfolge vertauscht sind und van nyphen zugeschrieben werden. Schmeisky, S. 36, setzt diesen Dichter mit Gottfried von Neifen gleich. Folgt man seinem Urteil, liegt hier die einzige bekannte Doppelzuschreibung eines Liedes an Reinmar und Gottfried von Neifen vor.

Drei der fünf Strophen sind zudem im Reinmar-Korpus in C überliefert, ergänzt um eine weitere Strophe (an dritter Stelle). Die ursprünglich namenlose Reinmarsammlung in B (s. Korpuskommentar zu B) führt jene Zusatzstrophe ebenfalls, wo sie zusammen mit zwei weiteren Strophen, welche auch in CEM₁ überliefert sind, ein drei­stro­phiges Lied bildet.

Die Unterschiede im Strophenbestand lassen eine Unterscheidung zweier Fassungen zu (vgl. Schweikle, S. 377f.): BC einerseits (zwei bzw. drei Strophen plus eine, die nur in BC überliefert ist), EM₁ andererseits (drei Strophen plus zwei, die nur in EM₁ überliefert sind).

Form: 4a 4b / 4a 4b // 4c 5x 4c

Es liegen siebenversige Stollen­stro­phen mit isometrischem Aufgesang vor. In E I,3 ist die Kadenz gestört (unreiner a-Reim). Unterfüllt sind B II,6 et al., C III,7; E I,5; M₁ III,6. Auftakt in C IV,4.7; E IV,2.7; M₁ IV,1–5.

Verschiedene Reimresponsionen verbinden die Strophen miteinander: So greift die Waise in BC II / E IV den c-Reim von BCE I auf, die Waise in C IV wiederum den c-Reim von C III und die Waise in E V den c-Reim von E III.

Inhalt: Frauenlied (Botenunterweisung).

Das Lied ist geprägt von einer »Spannung von Botenansprache und Selbstaussprache« (Brüggen, S. 235): Über die Botenfigur wird für die Sprecherin die Möglichkeit der Kommunikation mit dem Mann eröffnet, doch geht die Adressierung der Frauenrede an den Boten zunehmend zurück, bis dieser in der EM₁-Fassung seiner Funktion schließlich ganz enthoben wird (vgl. E V1 / M₁ IV, V. 6f.). Ashcroft, S. 61, versteht das Lied, wie das in BC vorangehende, als Beispiel für einen ›dilemmatischen Frauenmonolog‹.

In allen Handschriften setzt das Lied mit der Botenanrede ein (die folgende Strophennummerierung orientiert sich an E): Er soll sich nach dem Befinden ihres Geliebten erkundigen – ist er froh, ist sie es auch – und ihn bitten, alles zu unterlassen, was das Liebespaar trennen könnte.

In der nur in EM₁ überlieferten zweiten Strophe führt die Frau den Botenauftrag fort: Von ihrer Freude soll er ihrem Geliebten berichten und ihn von (ungebührlicher) Rede abhalten, dabei aber verschweigen, dass sie ihn lieber sähe als den Tag.

Wenn der Geliebte erklärt, zu ihr kommen zu wollen, soll der Bote ihn bitten, jene Art der Rede zu unterlassen, die er kürzlich zu ihr sagte, bevor sie ihn empfangen wird (vgl. Str. III; in C schließt das Lied damit).

Die in E folgende Strophe generalisiert die Minne-Thematik (in BC steht die Strophe an zweiter Stelle, in M₁ bildet sie den Abschluss): Was der Mann begehrt, ist der Tod und richtet so manch einen (bzw. eine) zugrunde.

Die in E letzte Strophe schließlich nimmt den Botenauftrag zurück. Die Sprecherin sagt: daz ist mir leit (E V,2). An das Mühsal, das sie heimlich trägt, ist sie noch nicht gewöhnt. So bittet sie den Boten um Verschwiegenheit.

Jene letzte Strophe findet sich nicht in BC; dort steht an dritter Stelle vielmehr eine Zusatzstrophe, in der die Dame ihren Botenauftrag bekräftigt: Wenn ihr Geliebter ihr treu ist – das soll der Bote zunächst prüfen –, dann soll er ihm alles sagen, was ihm zur Freude (und ihr zur Ehre C) gereichen kann.

Damit scheint das Lied in BC eher auf die (erneute) Begegnung ausgerichtet zu sein; EM₁ zeichnet dagegen eine stärkere Handlungsohnmacht der Frau: Die Kommunikation mit dem Mann und der Ausdruck ihrer Zuneigung scheinen unmöglich.

Sandra Hofert

Kommentar veröffentlicht am 26.01.2022.
Gehört zur Anthologie: Frauenlied
 C Reinm 118 = MF 178,1Zitieren
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Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 103ra
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